Tipps für Inhaftierte

Wer in Untersuchungshaft gerät, muss sich in kürzester Zeit in einem neuen und schwierigen Umfeld zurechtfinden. In der JVA ist man schnell froh über jeden Gesprächspartner. Trotzdem sollte man auf keinen Fall mit Mitgefangenen über den eigenen Tatvorwurf sprechen. Immer wieder dienen sich nämlich Mitgefangene den Ermittlungsbehörden als Zeugen an, um ihrerseits Vorteile zu erlangen. Dies gilt nicht nur im Bereich des Betäubungsmittelstrafrechts. Höchstens die vorgeworfene Straftat (Beispiel: Diebstahl, Betrug, Körperverletzung etc.) konnen den anderen Inhaftierten mitgeteilt werden.

Der Anwalt

Immer wieder erfährt man von Anwälten, die im Knast Akquise betreiben, indem sie sich gegen Vergünstigungen oder gar gegen Bezahlung Schließer oder Gefangene dienstbar machen. So entstehen Gerüchte über den Superanwalt X, der jeden nach spätestens zwei Wochen "rausboxt" oder bei Besuchen auch mal Mobiltelefone, Zigaretten und Schlimmeres mitbringt. Hier sollte man zunächst bedenken: Jeder Gefangene, der dir in der JVA gute Tipps geben kann, ist trotz vorgeblich bester Kenntnisse auch selbst nicht in Freiheit. Lasse dich daher nicht von den typischen Knastweisheiten hinters Licht führen! Auch der beste Strafverteidiger kann nicht zaubern. Und ein Rechtsanwalt, der sich als Schmuggler andient, hat seine Qualitäten sicher nicht auf dem Gebiet der Strafverteidigung - er riskiert vielmehr mit jedem Besuch seine Zulassung. Das macht niemand, der mit guter Strafverteidigung sein Geld verdient.

Vorsicht ist auch geboten, wenn ein Spezialist für ein bestimmtes Rechtsgebiet gesucht wird. Die Empfehlungen in diesem Bereich innerhalb der JVA sind allesamt mit großer Vorsicht zu genießen. Besser ist es, wenn Angehörige oder Freunde draußen im Weltnetz oder - je nach Bekanntenkreis - durch gezielte nachfragen den passenden Verteidiger suchen. Außerdem kann natürlich der bisherigen Rechtsanwalt offen angesprochen werden: Ein seriöser Strafverteidiger übernimmt kein Mandat in einem Rechtsgebiet, von dem er keine Ahnung hat.

Solltest du an einen Verteidiger geraten sein, mit dem du dir keine weitere Zusammenarbeit vorstellen kannst, gilt: Ist dieser Verteidiger dein Pflichtverteidiger, bekommt er bereits jetzt sämtliche Gebühren für das Ermittlungsverfahren aus der Staatskasse. Kommt ein Verteidigerwechsel zustande, bezahlt der Staat dieselben Gebühren nicht noch einmal an den neuen Pflichtverteidiger - den musst du also selbst bezahlen. Dies sollte im Hinterkopf behalten und ggf. mit den Angehörigen besprochen werden, bevor du dich auf die Suche nach einem neuen Rechtsanwalt begibst.

Zeit totschlagen - was tun?

Wenn die Untersuchungshaft nicht nach der ersten Haftprüfung beendet oder eine umfangreich begründete Haftbeschwerde letztlich erfolglos geblieben ist, musst du davon ausgehen, dass du länger in der JVA bleiben wirst. Die Zeit muss nicht vergeudet sein. Es besteht die Möglichkeit, an Weiterbildungsmaßnahmen - etwa in Gestalt von Fernkursen per Post - teilzunehmen. Dies ist auch für deine Sozialprognose im Falle einer eventuellen Verurteilung für die Strafzumessung von Bedeutung. Dein Strafverteidiger kann daher in der Regel Vergünstigungen bei der Staatsanwaltschaft aushandeln - etwa bei der Postkontrolle von und zur Weiterbildungseinrichtung.

Untersuchungsgefangene dürfen nicht zur Arbeit in der JVA gezwungen werden. Das heißt aber nicht, dass nicht gearbeitet werden darf. Die Arbeit in der JVA wird zwar skandalös schlecht bezahlt, kann aber eine willkommene Abwechslung zum Nichtstun sein. Es ist deshalb in aller Regel empfehlenswert, Arbeitsangebote wahrzunehmen, wenn die Zeit nicht anderweitig - etwa mit einer Weiterbildungsmaßnahme - genutzt wird. Nach der Haftentlassung sind vielen auch die kleinen Geldbeträge hilfreich, die mit der Arbeit in der JVA verdient werden können.

Für die verbleibende Freizeit kannst du dir bei der JVA Radio, CD-Player, DVD-Player und Fernseher meist leihen oder aber durch Angehörige in die JVA bringen lassen. Werden solche Geräte von außen eingebracht, müssen sie durch die JVA untersucht und verplombt werden. Dies kostet pro Gerät bis zu 50 Euro. Bücher und Zeitschriften kannst du dir unmittelbar vom Verlag oder aus dem Buchhandel übersenden lassen. Hier kann auch Angehörige gebeten werden, Bücher und Zeitschriften für dich zu kaufen und unmittelbar in die JVA senden zu lassen.