Bundeskriminalamt programmiert eigenen Staatstrojaner, trotz ZITiS

Das BKA programmiert weiter einen eigenen Staatstrojaner statt sich von der dafür gegründeten ZITiS helfen zu lassen. Obwohl die zentrale IT-Stelle schon anderthalb Jahre existiert, ist die Behörde weiterhin im Aufbau. Drei Abteilungsleiter haben heute ihren Dienst begonnen, der vierte folgt nächsten Monat.

Vor anderthalb Jahren wurde die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS) gegründet, um Sicherheitsbehörden bei der IT zu unterstützen. Die Behörde hat vier Arbeitsfelder, eins davon ist Telekommunikationsüberwachung inklusive Staatstrojaner. Doch das Bundeskriminalamt lässt sich nicht helfen, es programmiert einen eigenen Trojaner.

Im Juni 2018 sagte der zuständige BKA-Beamte im Bundestag, dass die Polizeibehörde „jetzt aktuell dabei [ist] , eine Software zur Onlinedurchsuchung neu zu erstellen“. Und das obwohl die dafür zuständige ZITiS schon über ein Jahr existierte.

Wir haben BKA und ZITiS gefragt, ob die Behörden derzeit beim Staatstrojaner kooperieren oder konkurrieren. Beide antworteten uns, dass sie „zur Ausgestaltung der Zusammenarbeit“ und „über Details zu Projekten“ keine Auskunft erteilen.

Der grüne Innenpolitiker Konstantin von Notz hat diese Frage der Bundesregierung gestelltDas Innenministerium antwortete:

Nein, es gab bislang keine Anfrage des BKA an die ZITiS, bei der Erstellung einer Software für die sogenannte „Online-Durchsuchung“ durch das BKA behilflich zu sein.

Das dürfte daran liegen, dass die ZITiS auch 18 Monate nach Gründung noch im Aufbau ist und IT-Spezialisten sucht. Aktuell sind laut ZITiS erst 81 von 150 bewilligten Stellen besetzt, viele davon in der Verwaltung.

Heute haben drei der vier Abteilungsleiter ihre Arbeit bei der ZITiS in München begonnen:

Der Leiter der Abteilung Kryptoanalyse wird seinen Job am 1. November antreten.

Neben Mitarbeitern bekommt ZITiS auch mehr Ressourcen. Letzte Woche hat die Bundesregierung ein Forschungsprogramm Quantentechnologien beschlossen. Darin heißt es:

Die ZITiS plant in diesem Zusammenhang an ihrem zukünftigen Standort an der Universität der Bundeswehr München gemeinsam mit dem Forschungsinstitut [Cyber Defence] CODE die Nutzung eines Quantencomputers.

Quantencomputer sollen, wenn sie denn zur Einsatzreife entwickelt werden, bestimmte mathematische Probleme einfacher lösen und damit viele Verschlüsselungs-Verfahren unbrauchbar machen können.

Konstantin von Notz kommentiert:

Bis heute wissen wir nicht, was eigentlich die genaue Aufgabe von ZITiS ist. Transparenz und Klarheit bezüglich der genauen Aufgaben von ZITiS sind auch im Sinne der Behörde selbst wichtig, die sich sonst ständig dem Vorwurf ausgesetzt sieht, dass sie eine die IT-Sicherheit gefährdende Blackbox ist.

Original-Text von: Netzpolitik
Übermittelt durch: Schriftleitung

 

Deine Werbung auf s-f-n.org, mehr Infos »

Keine Kommentare für “Bundeskriminalamt programmiert eigenen Staatstrojaner, trotz ZITiS”

 

Hinterlasse einen Kommentar