Ehepaar klagt an: „Linke Hausbesetzer jagen uns“

Beschimpft, bedroht, Adresse veröffentlicht: Lesen Sie mal, was ein Ehepaar in der Rigaer Straße erlebt, das vor Gericht gegen einen brutalen Prügler aussagte.

Das Ehepaar hatte einen Rettungswagen alarmiert, weil ein Mann vor ihrem Haus an der Rigaer Straße niedergeschlagen worden war. Später sagten Katharina und Tom K.* vor Gericht als Zeugen gegen den Täter aus. Seitdem wird das Paar von seinen linksradikalen Nachbarn denunziert, bedroht und beschimpft.

Seit 2006 wohnen die K.`s gegenüber des Hauses in Rigaer Straße 94, das zum Teil besetzt ist. Schon vor Jahren habe ein Polizist zu dem Ehepaar gesagt: „Die Rigaer ist und bleibt ein rechtsfreier Raum.“ Und das erleben die K.‘s nun direkt.

Nachts wird an ihrer Haustür geklingelt, Parolen werden gegrölt, Hauswände mit Sprüchen beschmiert. Seit einer Woche steht sogar ein Foto von Katharina K., ihr Name, die Adresse und ein Link zu ihrem Arbeitgeber auf der linksradikalen Internetseite Indymedia.org. „Das sind doch Nazi-Methoden“, sagt sie.

Gefälschte Aussage auf Indymedia.org

Dazu schreiben die Linksradikalen auf der Internetseite vermeintlich im Namen des Ehepaares: „wir geben auf. (…) Uns ist klar geworden, dass unsere Falschaussage im Prozess gegen Isa hier im Kiez keine Mehrheit findet (…). Weil wir das bereuen und hier wie Geächtete leben, ziehen wir am Sonntag dem 7. Oktober aus unserer Wohnung in der Rigaer Straße (…) aus! Die Miete ist noch bezahlt bis Anfang 2019, so dass alle Interessierten nach unserer Auszugsparty dort bleiben können. (…) Gerne könnt ihr auch unsere zurückgelassenen Möbel auf dem Dorfplatz verfeuern (…)“

Katharina K., die als Therapeutin arbeitet, berichtet der B.Z.: „Wir haben vom LKA davon erfahren.“ Tun könnten sie allerdings nichts gegen den Eintrag im Internet, sagten die Ermittler dem Paar. Lediglich am Tag der angekündigten Party waren Polizisten vor Ort, um die K.‘s zu schützen. Es blieb friedlich, niemand ließ sich blicken.

„Bevor mein Foto und meine persönliche Daten veröffentlicht wurden, war es eine subtile Bedrohung“, sagt Katharina K. Jetzt sei das anders. „Ich schaue genau, wer vor der Tür steht, wer mir auf der Straße entgegen kommt.“

Trotzdem versucht das Paar, einen normalen Alltag zu leben. So sagt Tom K., dass er von seinem Balkon aus Fotos machen würde, falls es in der Rigaer 94 wieder zu einem Polizeieinsatz käme. So wie andere in der Nachbarschaft auch. „Die sind aber nur für den privaten Gebrauch“, sagt er. Nie hätte er Fotos ins Internet gestellt.

Ehepaar sagte gegen Gewalttäter aus

Auch bei der Räumung der Liebigstraße 14 im Jahr 2011 habe er Fotos gemacht, was den Linkschaoten nicht verborgen blieb. Daraufhin wurde in mehreren Beiträgen auf Indymedia behauptet, dass Tom K. seit Jahren für Polizei und Verfassungsschutz spitzeln würde. „Ich bin eher unpolitisch, aber mehr links“, sagt er. „Ich bin nur Mitglied im BUND.“ Also in der Unweltorganisation Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Richtig schlimm wurde es, nachdem Mitte September Marek M. (42), in der Szene bekannt als Isa, vom Landgericht unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und tätlichen Angriff auf Polizisten zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Isa war eine Art Türsteher der Rigaer 94. Bei dem Prozess sagte auch das Ehepaar K. aus. Vor der Aussage soll ihnen das LKA Anonymität zugesichert haben.

Doch über ihre Anwälte gelangten Mitglieder der linksradikalen Szene schnell an die Namen der Zeugen. Auch andere Zeugen und Anwohner seien von den Linksradikalen systematisch bedroht und eingeschüchtert worden, sagt Katharina K. An eine Hauswand sei geschmiert worden: „Wir wissen wo ihr wohnt, wenn ihr mit der Polizei redet“. Manche Zeugen waren so verängstigt, dass sie ihre Aussagen zurückzogen.

„Wir fühlen uns von der Polizei, aber vor allem der Politik allein gelassen. Was muss noch passieren, das linksradikale Gewalt Ernst genommen wird?“, sagt Katharina K. „Hätte ich vorher gewusst, was nach meiner Zeugenaussage passiert, hätte ich das nicht gemacht“, sagt die Therapeutin. Natürlich würde sie einen Rettungswagen rufen, aber nur noch anonym. „Als Zeuge würde ich nicht mehr aussagen!“

Original-Text von: bz-berlin.de
Übermittelt durch: Schriftleitung

 

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