Telegram-Anrufe verraten IP-Adressen

Telefonanrufe via Telegram können die persönliche IP-Adresse verraten. Neue Optionen sollen dies auch auf dem Desktop verhindern können. Grundsätzliche Probleme bleiben jedoch ungelöst.

Werden Telefonanrufe über Telegram mittels Peer-to-Peer (P2P) abgewickelt, werden auch die IP-Adressen der Kommunikationsteilnehmer übermittelt. Die Anrufe können alternativ über Telegram-Server getunnelt werden, sofern die Einstellung durch den Nutzer gesetzt wird. Diese Einstellung wurde Nutzern der Telegram-Desktop-App sowie der Windows-Version des Messengers jedoch nicht angeboten, wie dem Sicherheitsforscher Dhiraj Mishra aufgefallen ist. Laut Telegram sollten IP-Adressen zudem nur an bekannte Kontakte weitergegeben werden. Durch eine falsch gesetzte Standardeinstellung seitens Telegram konnten jedoch IP-Adressen auch von Unbekannten abgegriffen werden.

Ein Telegram-Feature sind Sprachanrufe. Diese werden entweder über Telegram-Server oder zwischen den telefonierenden Geräten abgewickelt. Letzteres wird Peer-to-Peer genannt und übermittelt die IP-Adressen der Kommunikationsteilnehmer. Dhiraj Mishra konnte sich bei einem Anruf die IP-Adressen eines Telegram-Servers, seine eigene und die seines Gegenübers ausgeben lassen. Laut Telegram sei die Standardeinstellung, dass P2P-Anrufe nur mit bekannten Kontakten verwendet würden. Damit würde auch die IP-Adresse nur mit Meinen Kontakten, so die Standardoption der P2P-Einstellung, geteilt. Allerdings sei diese Einstellung bei einer Neuregistrierung von Telegram für einen Zeitraum von mehreren Stunden nicht gesetzt gewesen. Dadurch könnten IP-Adressen an unbekannte Anrufer abgeflossen sein. Telegrams CEO Pavel Durov erklärte in seinem Telegram-Kanal, dass Telegram Desktop nur an 0,01 Prozent der Anrufe auf Telegram beteiligt sei.

In den offiziellen Telegram-Apps für iOS und Android ließ sich das Verhalten schon bisher komplett deaktivieren. Hierzu müssen P2P-Anrufe komplett abgeschaltet werden. Unter Telegram Desktop und Telegram Messenger für Windows konnte diese Einstellung bis vor kurzem nicht gesetzt und einer Übermittlung der eigenen IP-Adresse nicht entgangen werden. Seit der Veröffentlichung der Versionen 1.3.17beta und 1.4.0 lässt sich auch hier die P2P-Funktion deaktivieren. Mishra erhielt für das Melden des Fehlers 2.000 Euro von Telegram.

Der Sicherheitsforscher entdeckte kurz zuvor ein weiteres Problem in t.me. Der Dienst ermöglicht Telegram-Nutzern, öffentlich unter einem selbstgewählten Benutzernamen erreichbar zu sein, ohne dass diese ihre Telefonnummer veröffentlichen müssen. T.me überträgt die Zugangsdaten zwar verschlüsselt, allerdings finden sich der Benutzername und das Passwort im Klartext in der URL. Sie können damit auch in den Browserverlauf eingehen und beispielsweise via Browsersynchronisation auf verschiedenen Geräten landen. Im Falle des Chrome-Synchronisationsdienstes können sie auch von Google ausgewertet werden. Telegram beschreibt das Verhalten laut Mishra als gewollt.

Sicherheitsfunktionen von Telegram umstritten

Telegram wird immer wieder vorgeworfen, dass die Kommunikation nicht standardmäßig Ende zu Ende verschlüsselt stattfindet. Vielmehr muss die Verschlüsselung für jeden Kontakt einzeln aktiviert werden. Dabei unterstützt Telegram verschlüsselte Konversationen auch nur zwischen zwei Endgeräten. Verwendet ein Nutzer mehrere Geräte, beispielsweise den Messenger auf dem Smartphone und die Desktop-App, kann er nur mit einem Gerät eine verschlüsselte Konversation mit einer anderen Person beziehungsweise einem anderen Gerät aufbauen. Gruppenchats lassen sich grundsätzlich nicht Ende zu Ende verschlüsseln.

Kritisiert wird zudem Telegrams selbstentwickeltes Verschlüsselungsprotokoll MTProto. Dieses enthält sehr ungewöhnliche Konstruktionen, beispielsweise AES im sogenannten IGE-Modus, der praktisch nicht mehr im Einsatz ist und von keinem bekannten Krypto-Protokoll genutzt wird. Das bedeutet zwar nicht automatisch, dass Telegram unsicher ist, allerdings orientiert sich gute Kryptographie üblicherweise an gut und ausführlich getesteten Standards, die darauf ausgelegt sind, dass auch mächtige Gegner wie die NSA die Verschlüsselung auch in mehreren Jahrzehnten nicht knacken können.

Original-Text von: Golem
Übermittelt durch: Schriftleitung

 

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