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Observationspraxis der Sicherheitsbehörden

Wie eine Observation abläuft

Die folgenden Ausführungen unterscheiden nicht besonders zwischen den verschiedenen Diensten bzw. Behörden, es soll ein möglichst allgemeingültiges Bild des Observationsablaufs von Sondereinheiten geboten werden.

Das Vorfeld: Vom Schreibtisch der Sachbearbeitung…

Im Vorfeld der Observation wird der Fall von den zuständigen SachbearbeiterInnen bzw. der Staatsanwaltschaft bearbeitet. Erst wenn der Papierkram erledigt ist, kommen die Observationseinheiten ins Spiel.

Eine Observation wird gemacht, wenn andere Versuche der Ermittlung und Beweisführung absehbar erfolglos sind. Diese Formulierung gehört in jeden Antrag auf Erlass eines richterlichen Beschlusses zur »längerfristigen Observation«, ist aber mehr als nur eine Formalie. Denn Observationen kosten Zeit, Personal und Geld. Immerhin müssen, um eine einzelne Zielperson zu kontrollieren, bis zu 20 Menschen samt Fahrzeugen und technischer Ausrüstung tagelang arbeiten. Die Observationseinheiten bekommen viel mehr Anfragen, als sie abwickeln können, es ist also nicht gesagt, dass sie dann tätig werden können, wenn der Sachbearbeiter es für richtig hält. Hinzu kommt das Restrisiko des »Verbrennens« der Observation, d. h., die Zielperson bemerkt, dass sie observiert wird, und erfährt dadurch, dass gegen sie ermittelt wird. Die ständige Präsenz von Observationen darf also nicht dazu verleiten, zu glauben, die Polizei mache das mal so eben nebenbei. Außerdem können durch technische Überwachung, also vor allem Handyverbindungsdaten, aber auch andere TKÜ und versteckte Videokameras oft schon viele Fragen der Ermittelnden über die Bewegungen der ZP ganz ohne aufwändige Observationen beantwortet werden.

Wenn der richterliche Beschluss und die Anordnung der Staatsanwaltschaft auf Vollzug vorliegen, wendet sich der zuständige Sachbearbeiter oder -bearbeiterin des Falles an die Observationsabteilung und beantragt einen Einsatz. Normalerweise dauert es eine Weile, bis die Observation tatsächlich beginnt – denn die Abteilung hat viele Fälle zu bearbeiten und sie muss den neuen Einsatz erst einmal planen: Wer ist die Zielperson (ZP)? Liegen aktuelle Fotos vor? Gibt es nur eine ZP oder mehrere? Welche Erkenntnisse über die ZP liegen bereits vor? Muss zur Überwachung der »Zielanschrift« eventuell eine konspirative Wohnung (KW) angemietet werden? Eine Telefonüberwachung hat zu diesem Zeitpunkt meist bereits stattgefunden, so dass einige Details über die ZP bekannt sind. Dennoch kann es durchaus einige Wochen dauern, ehe die Observation tatsächlich beginnt. Ein übliches Vorgehen ist, zu Beginn eine kurze Observation mit schwachen Kräften durchzuführen, um ein »Bewegungsbild« der ZP zu gewinnen, also festzustellen, ob sie sich wirklich an der vermuteten Adresse aufhält, welche Verkehrsmittel sie benutzt und ob Regelmäßigkeiten wahrzunehmen sind. Es gibt auch Observationen zweiter Klasse, bei denen lediglich sporadisch nachgeschaut wird, ob das Auto der ZP gerade vor der Tür steht und nur kurz dort verweilt wird, um auf Zufallserkenntnisse zu hoffen.

Ein Observationstrupp führt wöchentlich Teambesprechungen durch. Dabei werden neue Fälle vorgestellt und der Plan für die Observation entwickelt: Wer führt den Obs-Trupp vor Ort, der Truppleiter selbst oder ein nachgeordneter Beamter? Wie viele Personen und Autos werden für den Fall eingesetzt, welche Arbeitszeiten und wie viele Tage sind angesetzt, welche technischen Mittel werden eingesetzt, wer schreibt den Observationsbericht… Von nun an wird der eigentliche Sachbearbeiter oder die Sachbearbeiterin des Falles zwar über den Fortgang der Ermittlung informiert, ist aber selbst nicht mit vor Ort. Im Gegenteil, Observationstrupps lassen sich nur ungern von den Kollegen aus der Schreibtischabteilung bei der Arbeit stören.

Übrigens sind Observationsbeamte ganz überwiegend Männer meistens gibt es nur zwei bis drei Frauen in einem Trupp.

Nicht immer ist der komplette Obs-Trupp vor Ort tätig. Gerade bei der Voraufklärung, aber auch bei unkomplizierten Fällen, wird nicht mehr Personal aufgewendet als nötig. Oft genügen vier Fahrzeuge mit 6-7 Personen, um eine Zielperson unter Kontrolle zu halten. Es kann aber auch vorkommen, dass die ZP rund um die Uhr beobachtet werden soll, dann arbeiten mehrere Trupps abwechselnd im Schichtbetrieb. Solche aufwändigen Observationen werden aber selten länger als eine Woche, maximal zwei Wochen lang durchgehalten. Es gibt aber auch Observationen, die nur an einem bestimmten Tag wegen einem erwarteten Treffen mehrerer ZPs mit großem Aufwand und mehreren Observationstrupps durchgeführt werden. Es ist auch schon vorgekommen, dass bei besonders brisanten Fällen bzw. sensiblen Zielpersonen – etwa wenn es um bewaffnete Gruppen ging Observationen absichtliche zeitliche Unregelmäßigkeiten aufwiesen, das ist jedoch die absolute Ausnahme.

Ist ein Fall sehr bedeutend, wechseln sich verschiedene Abteilungen und sogar Behörden ab. So kann eine Observation eine Woche lang vom MEK durchgeführt werden, eine weitere Woche vom Verfassungsschutz, und danach übernimmt das LKA 56. Oder bei einer 24-Stunden-Observation werden drei Schichten zwischen MEK, BKA und BfV aufgeteilt. »Amtshilfe« zwischen Polizei und Verfassungsschutz ist zwar nicht allzu häufig, aber erprobt und grundsätzlich kein Problem.

Es ist kaum möglich, einen typischen Rhythmus für Observationen zu beschreiben, dazu sind die Anlässe und Umgebungsvariablen zu verschieden. Als durchschnittlich lässt sich am ehesten eine Observation beschreiben, die eine knappe Woche lang täglich acht Stunden umfasst.

Dem Observationstrupp wird für die Arbeit ein eigener Funkkanal, im digitalen Tetra-Funk eine »Gruppe« zugewiesen, wo keine anderen Kräfte senden. Der Trupp arbeitet weitgehend eigenständig, eine Funkzentrale wird kaum benötigt. Selbstverständlich sind die Funkanlagen der Observationsfahrzeuge verborgen und verfügen über Freisprecheinrichtung und verdeckte Ruftasten, bspw. Fußschalter.

Das Erfolgsprinzip einer Observation ist die stetige Sammlung von Erkenntnissen. Man kann kaum darauf hoffen, sehr schnell genau das zu beobachten, was man sucht. Stattdessen werden nach und nach immer mehr Daten gewonnen, die weitere Rückschlüsse zulassen. Auch wenn eine Observation wochenlang keinen Durchbruch bringt, auch wenn die Zielperson vielleicht immer wieder verloren geht, ergibt sich doch ein Mosaik, das bei den Ermittlungen weiterhilft. Diese Herangehensweise führt zu einer gewissen Routine bei professionellen Observationstrupps: sie wissen, dass die ständige Wiederholung der immer gleichen unspektakulären Abläufe langfristig oft zum Erfolg führt.

Einsatz am Zielobjekt: »A-Position« und »Glocke«

Wenn keine besonderen Erkenntnisse dagegen sprechen, wird eine Observation erst einmal zu normalen Arbeitszeiten stattfinden, also von ca. 8:30 Uhr morgens bis ca. 16:30 Uhr nachmittags. Stellt sich heraus, dass die ZP einen ganz anderen Lebensrhythmus hat, wird das natürlich berücksichtigt.

Jede Observation beginnt mit der »A-Position« am Zielobjekt. »In A-Position« ist, wer die ZP unmittelbar sieht oder zuerst wahrnehmen wird, wenn sie erscheint. Das Zielobjekt kann die Wohnung der ZP sein, sie wird meist »Wohnanschrift«, WA, genannt, aber auch ein anderer Ort, wo die Aussichten gut sind, auf die ZP zu treffen. Die »A-Position« wird je nach örtlichen Gegebenheiten besetzt, meist aus einem Fahrzeug heraus, aber auch mal als müßiger Gast am Tisch eines Cafés, als gemütliche Raucherin auf einer Parkbank, oder auch mit Fernglas durch das Fenster eines öffentlichen Gebäudes. Es werden auch getarnte Fahrzeuge verwendet, in denen jemand von außen unsichtbar ist, also bspw. Kleinbusse mit verdunkelten Seitenscheiben oder Vorhängen. Die anderen Observanten bilden erst einmal eine »Glocke« rund um das Zielobjekt. Dafür werden alle möglichen Wege, auf denen sich eine Zielperson entfernen oder nähern könnte, so gut es geht abgedeckt.

Bei einer professionellen Observation ist immer mindestens eine observierende Person in der A-Position, wenn nicht, ist die ZP »außer Kontrolle«. Andere Observanten melden sich als »B-Position«, die die A-Position bei Bedarf ablösen kann.

Nur wenn es absolut unmöglich ist, eine unauffällige A-Position zu beziehen, beschränkt man sich auf die Bildung einer Glocke rund um das Ziel und hofft, die ZP zu entdecken, wenn sie sich in Bewegung setzt und die Grenzen der Glocke überschreitet. Die Zielstraße wird dann bspw. an den beiden nächsten Kreuzungen/Einmündungen »dicht gemacht«, um die ZP dort in Empfang zu nehmen.

Die meisten Fahrzeuge stehen im Nahbereich in Bereitschaft und warten auf die Meldungen der A-Position. Dabei entfernen sie sich nur so weit, dass sie im Falle einer Bewegung der Zielperson sehr schnell am Ort sind. Meist stehen sie nur um die Ecke oder ein, zwei Querstraßen weiter, nach Möglichkeit ohne eine Ampel oder Hauptverkehrsstraße zwischen sich und dem Zielobjekt. Der Führungsbeamte hat ein Notebook dabei, um interessante Erkenntnisse sofort eingeben zu können. Neben dem Truppleiter, der den Gesamteinsatz steuert, hat die jeweilige »A-Position« Weisungsrechte durch taktische Anweisungen an die anderen Observanten: Ist die ZP eindeutig identifiziert? Wenn nein, wer kann eine Identifizierung (»Abklärung«) durchführen? Wenn ja, in welche Richtung bewegt sie sich, wie sollen sich die anderen ObservantInnen verhalten, sollen sie verharren, folgen, sich verteilen?

Um auch bei hektischem Verlauf nichts zu versäumen, wird der Funkverkehr zentral aufgezeichnet oder bei Bedarf vor Ort mit Diktiergeräten aufgenommen.

Nach dem Einnehmen der ersten Positionen folgt nicht selten eine lange und ereignislose Wartezeit. Man döst im Auto vor sich hin, kurbelt die Sitzlehne gemütlich nach hinten, hört nebenher Radio, schläft ein. Ab und zu wird es vielleicht unruhig, weil jemand meint, die Zielperson gesehen zu haben – aber dann war es nur falscher Alarm. Hin und wieder meldet jemand sich ab, um sich etwas zu essen zu besorgen (»versorgen«) oder auf die Toilette zu gehen (»entsorgen«). In größeren Abständen wird die A-Position abgelöst. Die Ablösung dient nicht nur der Unauffälligkeit, sondern ist auch nötig, weil die Konzentration nach einiger Zeit stark nachlässt. Ist die ZP zu Hause, erfolgt die Ablösung meist im Stundenrhythmus, oft zur vollen oder halben Stunde; ist sie abwesend und wird auf ihr Eintreffen gewartet, bleibt die A-Position auch mal mehrere Stunden lang ohne Ablösung auf Posten.

Um nicht allzu sehr aufzufallen, wechseln auch die anderen Fahrzeuge ab und zu den Standort. Grundsätzlich ist es aber unvermeidlich, irgendwo zu stehen – man kann nicht die ganze Zeit im Kreis herumfahren. Aufmerksame Anwohner und Spaziergänger werden möglicherweise nach einiger Zeit bemerken, was vor sich geht. Die Erfahrung zeigt aber, dass darauf in den allerwenigsten Fällen Störungen der Observation folgen. Leute sehen die Observanten und vergessen sie wieder, man weiß ohnehin nicht, worauf sie es abgesehen haben. Erfahrungsgemäß merkt sich fast niemand Autos und deren Kennzeichen oder auffällige Personen länger als einige Minuten – noch nicht einmal die Leute, die wissen, dass sie selbst die Zielperson sind!

Wenn eine Observation absehbar tage- oder gar wochenlang dauert, sucht der Trupp sich ein ruhiges Plätzchen etwas abseits, um sich in Ruhe zu treffen, ohne dass zufällige Beobachter einen Bezug zum eigentlichen Zielobjekt herstellen können. Gut geeignet sind dafür bspw. Supermarkt-Parkplätze oder abgelegene Straßenabschnitte bzw. Sackgassen mit vielen freien Parkplätzen. Auch »Einsatzbesprechungen«, meist zu Beginn bzw. nach Beendigung des Tageseinsatzes, werden oft an solchen Orten durchgeführt.

Observation in Bewegung

Irgendwann taucht die ZP dann doch auf und es gibt »Bewegung«. Mindestens eine observierende Person, meistens mehrere, haben eine digitale Fotokamera und/oder einen Camcorder dabei und werden versuchen, Aufnahmen von der ZP und von Personen, mit denen sie in Kontakt tritt (»Kontaktpersonen«, KP) zu machen.

Wenn die Zielperson auftaucht, ist es zuerst wichtig, sie für alle Observanten eindeutig zu beschreiben, damit alle sie von jetzt ab sofort erkennen. Das übernimmt die A-Position, die sich danach meist erst einmal etwas zurückhält, weil sie der ZP aufgefallen sein könnte.

Bewegung im Auto

In jedem Kriminalfilm sehen wir, wie eine verdächtige Person im Auto wegfährt und der verfolgende Polizist sofort zehn Meter dahinter ausparkt und die Verfolgung aufnimmt. Das ist in der Realität natürlich völlig undurchführbar, weil es der ZP auffallen könnte. Wenn sich das »Zielfahrzeug« (ZF) in Bewegung setzt, bleibt das Fahrzeug der A-Position erst einmal stehen und wartet ab, während ein anderes Fahrzeug aus größerer Entfernung die Verfolgung aufnimmt. Zwischen dem Einsteigen der ZP ins Auto und dem Losfahren ist fast immer genug Zeit, um ein anderes Observationsfahrzeug in Stellung zu bringen. Manchmal setzt sich das Fahrzeug sogar vor das ZF und lässt sich von diesem erst einmal überholen.

Die Verfolgung eines Autos ist eine ziemlich sichere und bequeme Form der Observation. Funkverkehr lässt sich am besten und unauffälligsten in Autos abwickeln. Autos sind durch Verkehrsregeln stark eingeschränkt in ihrer Bewegung, und sie lassen sich eindeutig identifizieren durch Modell, Farbe und Kennzeichen, das erleichtert die Verfolgung. Observationsfahrzeuge sind PS-stark und werden von erfahrenen Leuten gelenkt, sind also durch hohes Tempo kaum abzuschütteln. Wenn nötig, halten sie sich nicht an Verkehrsregeln, fahren über rote Ampeln, auf dem Gehweg oder gegen Einbahnstraßen, um den Kontakt zu halten. Die Straßenverkehrsordnung erlaubt Sicherheitsbehörden solche Regelverstöße. Wer ein oder gar mehrere zivile Autos mit normalem Kennzeichen schnell, aber mit aller gebotenen Vorsicht eine rote Ampel überfahren sieht, kann davon ausgehen, Observationsfahrzeuge im Einsatz zu sehen. Im Stadtverkehr ist es schwierig, eine verlorene Ampelphase aufzuholen – nicht nur, weil das Zielfahrzeug in der verstreichenden Minute immerhin einen Kilometer zurücklegen und außerhalb des Blickfeldes abbiegen kann, sondern auch, weil sich zahlreiche Autos dazwischen schieben, die dann einer Aufholjagd im Weg sind. Daher werden zumindest ein paar Observationsfahrzeuge immer versuchen, den Sichtkontakt zu halten.

Seit einigen Jahren ist der Einsatz von GPS-Peilanlagen sehr verbreitet, deren Positionsanzeige von der Zentrale an die Observationsfahrzeuge weitergeschaltet wird, so dass die Position des ZF jederzeit metergenau(!) sichtbar ist, selbst wenn es den Verfolgern einmal verloren gegangen ist.

Sollte die ZP einen Mietwagen fahren, werden die Observanten sich wahrscheinlich sofort oder auch nachträglich mit der Vermietungsfirma in Verbindung setzen, um weitere Informationen zu gewinnen: Unter welchem Namen wurde angemietet, mit welcher Kontonummer, wie viele Kilometer wurden gefahren. Viele Mietwagen verfügen inzwischen auch über fest installierte Ortungsgeräte zum Diebstahlschutz oder zum Flottenmanagement.

Ist die ZP dafür bekannt, regelmäßig auf Mietwagen oder Carsharing zurück zu greifen, werden die Observanten möglicherweise versuchen, häufig genutzte Fahrzeuge zu manipulieren.

Bewegung zu Fuß

Etwas anstrengender ist die Observation einer Person zu Fuß. Die verfolgenden Observanten, genannt »Füße«, müssen aufpassen, ihre Funk-Meldungen unauffällig abzusetzen – sie benutzen dafür meistens Kehlkopf-Mikrofone im Jackenaufschlag, manchmal welche am Handgelenk, ab und zu auch in einer Handtasche oder in einem Rucksack verborgen, die können an die ablösende Kollegin oder Kollegen weitergegeben werden. Um Funk zu empfangen, müssen sie irgendetwas im Ohr haben – sei es ein Walkman-Kopfhörer oder ein »Phonak«, das ist ein drahtloser Ohrhörer. Übrigens ist so ein »Phonak« zwar an sich praktisch, weist aber auch Nachteile auf: Er ist unauffällig, aber nicht unsichtbar, und wer damit gesehen wird, ist »verbrannt«. Außerdem ist es störungsanfällig, relativ leise, verstopft rasch mit Ohrschmalz und fällt im falschen Moment aus dem Ohr. Überdies wird für die Übertragung eine mit dem Funkgerät verbundene flache, längliche Induktionsspule benötigt, die in geringer Entfernung (bspw. im Schulterpolster der Jacke oder im Riehmen eines Rucksacks) verborgen werden muss. Aus all diesen Gründen bevorzugen viele Observierende klassische Kopfhörer.

All das kann anderen Fußgängern auffallen. Deshalb arbeiten Observanten zu Fuß auch gern mit Mobiltelefonen. Ihre Meldungen kann dann nur eine Kollegin oder ein Kollege hören, um sie dann am Funk für die anderen Beteiligten zu »übersetzen«. Mobiltelefone erlauben übrigens seit Jahren im Prinzip auch Konferenzschaltungen, bei denen alle anderen Observanten zuhören können, wenn jemand spricht. Diese sind aber teuer und im Vergleich zum Funk umständlich und wurden daher lange Zeit nur sporadisch eingesetzt. Inzwischen sind sie praktikabler, werden aber durch die Einführung des digitalen TETRA-Funks nicht mehr so dringend benötigt.

Wer zu Fuß unterwegs ist, kann plötzlich die Richtung wechseln, in einem Haus verschwinden oder das Verkehrsmittel wechseln, also in einen Bus steigen, ein Fahrrad nehmen… Deshalb muss die Glocke recht eng um die ZP gelegt sein, am besten mit mehreren »Füßen«, idealerweise auf beiden Straßenseiten, damit bei einem Seitenwechsel der ZP die A-Position selbst nicht auch die Straße überqueren muss, was auffallen könnte. Zu Fuß ist die ZP aber auch sehr langsam unterwegs, weshalb es in den allermeisten Fällen gelingt, sie unter Kontrolle zu halten, selbst wenn sie unvorhergesehene Bewegungen macht.

Öffentliche Verkehrsmittel

Wenn die ZP mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, wird mindestens eine observierende Person im gleichen Fahrzeug mitfahren. Oft steigt sie, um nicht aufzufallen, erst an der nächsten Haltestelle ein, oder, wenn es die Wartezeit erlaubt und die Fahrtrichtung eindeutig ist, steigt sie bereits eine Haltestelle vorher ein. Als Position wird ein Platz möglichst weit hinten im Wagen gesucht, um alle Ein- und Ausgänge überblicken zu können. Die Autos folgen so gut sie können. Es ist schwer im Berufsverkehr mit einem Auto mit der UBahn mitzuhalten, deshalb versuchen die Fahrzeuge schon mal in die in Frage kommenden Fahrtrichtungen vorauszufahren, während die ZP noch auf dem Bahnsteig wartet.

Das Aussteigen der ZP wird gemeldet, wobei wiederum die observierende Person wenn möglich eine Station weiter fährt und dort von einem Fahrzeug wieder aufgenommen wird. Es kommt nur sehr selten vor, dass eine ZP dabei wirklich verloren geht. Die Möglichkeiten, in der U- und S-Bahn Observanten abzuschütteln, werden in der Fachliteratur überschätzt. ZPs gehen eher durch Kommunikationsprobleme der Observanten verloren, dazu gehören Verwechslung von Bahnsteigen, mangelnde Informationen über die verschiedenen Linien und deren Fahrtrichtungen, was die betrefffenden
Beamten nicht gerne zugeben. Und im schlimmsten Falle haben ja heute die allermeisten ZPs Mobiltelefone bei sich, die
sich bei Telefonaten oder durch »stille SMS« lokalisieren lassen, wovon die Observationstrupps auch reichlich Gebrauch machen.

Die Videoüberwachung von Bahnsteigen und Fahrzeugen lässt sich kaum für Observationen nutzen.Wenn eine ZP einen U-Bahnhof betritt, muss damit gerechnet werden, dass sie schon eine Minute später abfährt – in dieser Zeit ist es unmöglich, einen Beamten zur Leitzentrale zu schicken, um dort die Bildschirme zu kontrollieren. Außerdem sind die Kräfte erst einmal damit beschäftigt, herauszufinden, um welche Linie(n) es sich handelt, wann die Abfahrtzeiten sind, welche Umsteigebahnhöfe abgedeckt werden müsssen und so weiter. Darüber hinaus gibt es tote Winkel, und die Kameras haben eine begrenzte Bildqualität. Selbst wenn die Voraussetzungen optimal sind, z. B., wenn die Observation Dealern gilt, die regelmäßig auf bestimmten Bahnhöfen handeln, wird die Videoüberwachung per Leitzentrale nur unterstützend zu einer unmittelbaren Observation stattfinden, da es zu viele plötzliche Handlungsoptionen der ZP gibt, die sich mit den Kameras nicht genügend kontrollieren lassen.

Bewegung auf Zweirädern

Eine ZP auf einem Fahrrad oder Motorrad zu observieren, kann sehr anstrengend sein. Sie bewegt sich nicht im üblichen Tempo der Verkehrsteilnehmer. Das Fahrrad ist zu langsam für Autos und zu schnell für »Füße«, das Motorrad meistens zu schnell für alle anderen Verkehrsmittel. Die Observationskräfte müssen sich darauf einstellen, d. h. selbst auch
Fahrräder oder Krafträder einsetzen. Das setzt besondere körperliche Fitness und Einsatzbereitschaft voraus, bzw. einen Motorradführerschein. Bei Spezialeinheiten gibt es pro Fuhrpark ein bis zwei Motorräder und/oder Motorroller und ein paar Fahrräder; gelegentlich werden private Fahrräder benutzt.

Fahrräder haben die Eigenschaft, schwer eindeutig identifizierbar zu sein, was für die Observation von Vorteil sein kann: die ZP wird vermutlich nicht erkennen, ob irgendein Fahrrad ihr mehr als einmal am Tag begegnet ist. Üblicherweise wird bei einer ZP, die Fahrrad fährt, nur ein Observationsfahrrad eingesetzt, dessen Fahrer ab und zu die Jacke wechselt oder mit einem Kollegen tauscht. Soweit es geht, halten die Autos den Kontakt zur ZP, während die auf dem Rad observierende Person etwas Abstand hält und bei Problemen sofort heranfährt. Die Autos bemühen sich, die ZP möglichst wenig zu überholen – daraus ergibt sich eine auffällige sprunghafte Fortbewegung, denn sie müssen immer wieder rechts heranfahren, dann wieder etwas aufschließen, dann wieder rechts heranfahren. Dieses Stop-and-go ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass ein langsames Ziel verfolgt wird.

Ein Motorrad kann durch Nach-vorne-schlängeln bei ein, zwei Ampeln seine Verfolger abhängen. Aber auch bei einer Motorradfahrt kommen nur ein, ausnahmsweise zwei Observationskrafträder zum Einsatz, der Rest versucht so gut es geht im Auto mitzuhalten. Wie bei Autoverfolgungen wirkt sich auch hier das relativ engmaschige Netz der Verkehrsregeln zugunsten der Observanten aus, denn in der Praxis wird auch ein Motorrad im Stadtverkehr durch rote Ampeln, andere Fahrzeuge und die Straßenführung in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt.

Wenn die ZP »außer Kontrolle« gerät

Im Normalfall wird der Trupp nicht auf Teufel komm raus versuchen, den Kontakt zu halten. Wenn der Eindruck entsteht, die Observation sei von der ZP erkannt worden, oder wenn die Bewegungen der ZP schwer kalkulierbar werden bzw. sie sich in einem sehr kleinen Bereich viel hin- und herbewegt, ziehen die Observanten sich etwas zurück. Sie geben nötigenfalls die A-Position auf, bilden nur noch eine größere Glocke um den Bereich oder lassen die ZP sogar ganz fallen, »brechen ab«, um sie bei Gelegenheit anderswo wieder neu aufzunehmen, bspw. an der Wohnanschrift.

Wenn die Zielperson verschwindet, wird die Gegend abgesucht. Andere Fahrzeuge fahren zu bekannten Zieladressen und warten, ob die Zielperson dort auftaucht. Wird eine ZP als besonders misstrauisch eingeschätzt, lässt man ihr auch mal »lange Leine« und fällt etwas zurück oder führt die Observation mit Pausen durch, nur alle zwei Tage oder auch nur jede zweite Woche. In den wenigsten Fällen geht eine ZP verloren, weil sie bewusst »schüttelt«, sondern meistens durch Zufälle oder Unachtsamkeit der Observanten. Immerhin sind sie die Profis und die ZP ist Amateur also wissen sie gemeinhin besser, wie man abschüttelt bzw. sich nicht abschütteln lässt.

Wenn die Möglichkeit besteht, dass die Observation von der ZP erkannt worden ist, heißt das nicht unbedingt, dass sie nicht fortgesetzt wird – je nach dem, welche Informationen die Observanten gewinnen wollen. Denn die ZP hat auch einen Alltag, den sie nicht einfach ändern kann: Arbeit, soziale Pflichten oder auch andere Aktivitäten, die sie nicht so einfach beenden oder verschieben kann. Unter Umständen werden die Observanten es sogar in Kauf nehmen, dass die ZP sich ein paar Autos und Gesichter merkt – und wahrscheinlich bald wieder vergessen wird – , um weitere Erkenntnisse zu gewinnnen.

Feierabend

Wenn der Observationstrupp sein Tagespensum geschafft hat, nicht selten sind das ziemlich genau acht Stunden, wird ein Observationsbericht geschrieben. Er enthält die Namen der Beteiligten, die verwendeten Fahrzeuge und natürlich die Beobachtungen mit dazugehörigen Uhrzeiten. Neben dem detaillierten Observationsbericht, der ins »Tagebuch« der Einheit übernommen wird, gibt es einen verkürzten Bericht für die Ermittlungsakten. Manchmal wird dieser von den Sachbearbeitern auch nur in Form eigener »Vermerke« oder »Berichte« verwertet. Generell sind Observationen und Festnahme zwei getrennte Vorgänge. Es gibt zwar Observationen der Polizei, die genau das Ziel verfolgen, die ZP auf frischer Tat zu ertapppen. Das kommt aber nicht sehr oft vor, hauptsächlich dann, wenn die Observation einen V-Mann-Einsatz o. ä. Unterstützt, etwa bei Scheinkäufen von Drogen. Der Regelfall ist, dass die Observation erst einmal ausgewertet wird und zuständige Sachbearbeiter über das weitere Verfahren entscheiden – die Festnahme also erst später und durch andere Kräfte erfolgt.

Sonderfall »Schutzobservation«

Wenn der Verfassungsschutz »V-Ansprachen«, also Anwerbungsversuche von »Vertrauenspersonen« durchführt, wird die ZP vorher unterschiedlich gründlich observiert, damit der Sachbearbeiter oder die Sachbearbeiterin optimal vorbereitet sind und den besten Zeitpunkt der Ansprache abpassen können. Diese kann auf offener Straße, aber als Hausbesuch stattfinden. Die Voraufklärung wird im Normalfall nur an wenigen Tagen durchgeführt, kann sich aber bei komplizierten Fällen über Wochen erstrecken. Am Tag der Ansprache ist in den allermeisten Fällen ein Obs-Trupp mit von der Partie, um den ansprechenden BeamtInnen notfalls zu helfen, falls die ZP aggressiv reagiert und um nach der Ansprache das Verhalten der ZP zu überprüfen. Führt sie Telefonate? Wen sucht sie danach zuerst auf? Falls die Ansprache positiv verläuft, werden auch spätere Treffen gelegentlich observiert. So interessiert man sich etwa dafür, ob die ZP das erhaltene Geld sofort ausgibt und wofür, und ob sie dabei andere Personen einbezieht. Im Falle einer »taktischen Ansprache«, d. h. einer Kontaktaufnahme, die nicht das Ziel einer V-Personen-Anwerbung verfolgt, sondern die ZP instrumentalisieren soll, kann sich die Observation auf eine reine Schutzobservation am Tag der Ansprache beschränken. Ziel einer solchen Ansprache kann das Lancieren bestimmter Informationen sein, aber auch das Provozieren einer Reaktion, die im Rahmen anderer Maßnahmen, etwa einer TKÜ, ausgewertet werden kann.

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