Die Vernehmungstaktiken

Nach erfolgter Festnahme - im Gefangenentransportwagen, in der Polizeizelle bei der Kripo - setzen irgendwann die Versuche ein, Aussagen zur Sache aus dir herauszuquetschen.

Die Informationen, die Beamte benötigen, haben zweierlei Charakter:

  • Sie sollen in einem Strafverfahren verwendet werden, müssen also gerichtsverwertbar sein, d.h. sie dürfen nicht unter Umgehung von Gesetzen, z.B. dem § 136 StPO, zustande kommen.
  • Sie sollen der weiteren Ermittlungsarbeit dienen. Hier darf die Ermittlungsbehörde jeden Hinweis verwerten. Hier wird zum Beispiel das Telefon eines Arztes abgehört, nur darf ein sich daraus ergebener Hinweis nicht im Verfahren verwertet werden. Wird aber aufgrund dieser widerrechtlich erlangten Informationen eine Hausdurchsuchung durchgeführt, so ist das hierdurch sichergestellte Material verwertbar.

Willst du also deine Rechte voll wahren, musst du sorgfältig darauf achten, dass Informationen, die du im Kopf hast, auf keinem Wege denselben verlassen. Das Gesetz geht von der Fiktion aus, der Mensch habe einen freien Willen, den er nach Belieben betätigen könne, auch der Entschluss gemäß § 136 auszusagen, sei frei, wenn er nicht unter den besonderen Umständen des § 136 StPO zustande gekommen ist.

Die Beamten werden dir also zunächst die gesetzlich zulässige "Entscheidungshilfe" geben wollen. Dazu werden sie aus ihrer Maske als Kriminalbeamte heraus schlüpfen und versuchen, dir gegenüber die Rolle "Deines Anwaltes" zu spielen. Anstatt dir sofort Gelegenheit zu geben, wirklich deinen Anwalt zu befragen, haben sie ein Interesse daran, diesen zunächst fern von dir zu halten.

Sie werden alle Register ziehen, um deinen freien Willen in ihre Richtung zu lenken.