Fragerunde

Es gibt keine dummen Fragen

und erst recht keine dummen Antworten. Jeder muss offen sagen können, was er sich von der Aktion erhofft. Nur so könnt ihr auch tatsächlich etwas bewegen und euch im Falle von Repressionen und Festnahmen oder Ausschreitungen auf die anderen verlassen. Stellt euch zunächst folgende grundlegende Fragen:

  • Wiso gehen wir auf die Aktion?

    Was wollen wir denn überhaupt bewegen? Wollen wir mit allen Mitteln einen Tiertransport verhindern oder eine Antifademo und die Aufklärung einer anderen Gruppe überlassen? Wollen wir stilvoll, bürgerlich gekleidet auftreten und ein gutes Bild abgeben, damit wir unsere Positionen nach außen vertreten können? Alles ist legitim, solange es keiner anderen Gruppe schadet. Jeder muss selbst wissen, für was er auf die Straße geht und wo er den Kampf kämpft. Seid ihr euch sicher, dass ihr eine Aktionsform durchziehen wollt, geht zur nächsten Frage

  • Wie weit wollen wir gehen?

    Wo sind eure persönlichen Grenzen - jeder soll in einer Fragerunde aufzeigen wie weit er auch im Ernstfall bereit ist zu gehen. Nur so macht es Sinn, ein Mindestmaß an Aktivismus abzustecken und sich darauf zu einigen. Jeder kann sich nun bei der Aktion darauf verlassen, dass man sich vorher auf eine Grenze geeinigt hat. (Notfälle außen vor)

  • Welche Mittel wollen wir nutzen?

    Setzen wir Fahnen ein, Transparente oder Faustis? (Klein Fahnen für die Faust). Habt ihr Ideen für anderes Material oder ist es sogar vollkommen fehl am Platz dass eure BG an diesem Tag etwas dabei hat, was sie eindeutig als Nationalisten "enttarnt"? Sprecht auch über Tabu-Material z.B. wenn ihr nichts politisches mitnehmt was genau ihr darunter versteht. Auch der Umgang mit den benutzten Materialien ist wichtig. Arbeitet ihr ein Flugblatt aus oder besorgt euch Material um auf der Anreise zu verteilen?

  • Gewalt?

    Wir sind ständig Gewalt ausgesetzt. Der psychische Druck auf unsere Bewegung ist enorm und eine Auseinandersetzung innerhalb der Gruppe essentiell (Siehe ANGST?). Auch körperliche Gewalt kann eine Rolle spielen, wenn z.B. Sportgruppen oder aggressive Polizisten auf euch treffen. Wie weit wollt ihr gehen? Wollt ihr präventiv Gewalt anwenden um z.B. die kriminelle Antifa an der Anreise zu hindern oder positioniert ihr euch wegen eurer gewählten Aktionsform auffällig gegen Gewalt?

  • Angst?

    Vollkommen natürlich. Jeder Mensch hat Ängste. Sprecht darüber und schafft ein offenes Klima! Niemand wird ausgelacht, weil er seine Ängste äußert. Denn wenn ihr zuvor darüber sprecht, könnt ihr ein Zusammenbruch der Gruppe während einer Aktion verhindern. Wer vorher nicht sagt, dass er Angst hat, dem wird auch kein Einknicken während einer Aktion zugestanden. Zu solch einem Knick darf es schlichtweg nicht kommen, denn Angst kann schnell zu Feigheit werden und diese führt dazu, dass die ganze Gruppe in Gefahr sein kann. In manchen Situationen gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren und andere nicht zu verunsichern. Trotzdem: Danach drüber reden und zugeben, dass ihr in einer bestimmten Situation schon Herzflimmern hattet, euch aber trotzdem zusammengerissen habt. Habt ihr ganz spezielle Ängste, die eine Aktion gefährden? Zum Beispiel Höhenangst, Angst vor Hunden, Platzangst, ... dann klärt die anderen darüber auf.

  • Umgang mit der Antifa

    Wie geht ihr mit der Antifa um? Versucht ihr, dieser aus dem Weg zu gehen oder sucht ihr die Konfrontation (beides legitim, wenn die Aktionsform dies zulässt!)

  • Umgang mit der Polizei

    Verhandelt ihr für eure Gruppe und weitere Anreisende um möglichst gute Konditionen, macht jedoch genug Druck um euch nicht verarschen zu lassen? Oder ist der Staat erklärtes Ziel eurer Aktion?

  • Umgang mit der Presse

    Lasst ihr repressive Presseorgane wild eure Leute abfilmen oder werdet ihr diesen entschlossen zeigen, wo die Grenze ist? Nutzt ihr Schutzmaßnahmen vor Portraitaufnahmen? Fangt ihr nach oder vor einer Aktion bewusst die kriminelle Feindpresse ab um sie zur Rede zur stellen? Nutzt ihr die lokale Presse als Sprachrohr für eigene Stellungnahmen? Neben diesen Fragen sollte mindestens in der Bezugsgruppe Homogenität bezüglich der Weltanschauung herrschen um nicht vor Ort in grundlegenden Prinzipienfragen und Grundsatzdiskussionen zu versinken.

Weitere Vorbereitungen unter: Vorbereitung auf Aktion

Wie entscheiden wir innerhalb der Bezugsgruppe? Das ist eine wichtige Frage, denn gerade in der BG sollte niemand denken, dass seine Meinung nicht zählt. Es empfehlen sich immer ein offener Kreis und der ständige Austausch. Nach wenigen Gesprächen kristallisiert sich meistens jemand heraus, der das ganze moderiert. Es liegt an ihm, die anderen dazu zu animieren, ihre Bedenken zu äußern und Ideen vorzuschlagen. Im internen Austausch erfüllt es nicht die Ansprüche, die wir an eine BG stellen, wenn sich einzelne als Führer sehen möchten und deshalb andere Ansichten, Meinungen und Ideen unterschlagen. Gibt es niemanden, der sich eindeutig als Moderator rauskristallisiert, müsst ihr einen wählen. Zur Not mit Würfeln oder Schnick-Schnack-Schnuck. Ist das alles geklärt, könnt ihr euch an die Rollenverteilung machen.