Datenkraken - Webanalyse unter der Lupe

Letzte Aktualisierung am 02.03.2017

Die Firma Google weiß und protokolliert beispielsweise nicht nur, nach was du direkt auf der Google-Weltnetzseite wann gesucht und welche Ergebnisse du dann auch tatsächlich angesteuert oder was du dir wann wie oft auf Googles Videoplattform YouTube angeschaut hast.

Sobald Dienste wie z.B. Karten aus Google-Maps oder Videos aus YouTube in eine Seite eingebettet sind, werden diese direkt von Google geladen und Google damit - diesmal für die Besucher unbewusst - informiert, dass und wann du diese Seite abgerufen hast. Das gilt umso mehr, wenn beispielsweise ein von den Besuchern gar nicht wahrgenommener Dienst wie Google-Analytics zur Erstellung von Statistiken genutzt wird. Auch hier landen Informationen über alle Seitenabrufe auch bei Google.

Google Analytics

Was Google uns (und damit auch sich selbst) an Informationen liefert, ist extrem umfangreich. Google Analytics erhebt folgende Informationen:

  • Herkunft der Surfer (Staat und Stadt bzw. Region)
  • welche Sprache ist voreingestellt? Deutsch? Englisch?
  • Betriebssystem (Linux Distribution, Windows, Mac OS X) oder Firmware vom Tablet-PC bzw. Smartphone
  • welches Gerät kommt zur Anwendung?
  • Browser mit Versionsnummer (Google Chrome? Firefox? Safari?)
  • welche Add-ons werden in welcher Version verwendet? (Beispiel: Shockwave Flash, Java, JavaScript, Silverlight, Quicktime, Google Talk Plug-in etc.)
  • Auflösung des Bildschirms (Anzahl Pixel Breite und Höhe)
  • wie lange wurden die Artikel durchschnittlich gelesen? Haben sich die Surfer für einen ausführlichen Beitrag genug Zeit genommen?
  • Besucherquellen: Suchmaschinen oder soziale Netzwerke (Facebook, Twitter), verweisende Webseiten?
  • ging der Besucher innerhalb der Webseite woanders hin? Wenn ja, wohin? Oder wurde die Seite komplett verlassen?
  • welche Dateien wurden heruntergeladen?
  • welche Videos wurden angeschaut?
  • kam der Besucher wieder oder besuchte er die Seite nur einmalig? (Feststellung per Cookie)
  • wurden Werbebanner angeklickt?
  • wurden Produkte verkauft?
  • u.v.m.

Noch problematischer, da de facto Standard, ist die technisch ähnlich funktionierende über Google-Ads oder dem mittlerweile von Google aufgekauften Unternehmen DoubleClick eingebundene Werbung. Auch diese wird immer direkt von den Google-Servern geladen und der Datenkrake damit über die eigentlichen Seitenabrufe informiert.

Um dich dabei dauerhaft verfolgen und eindeutig identifizieren zu können, vergibt Google dazu eine dir zugeordnete Nummer, die im Hintergrund in einem sogenannten Cookie auf deinem Computer gespeichert und bei jedem der weiteren Abrufe wieder an Google übertragen wird.

Dabei reicht ein einziger Login, die Angabe von persönlichen Daten oder die beim Zugangsprovider gespeicherte Zuordnung der genutzten IP-Adresse zum Kunden, um ab dem Moment ein bereits jahrelang gepflegtes Profil einer konkreten Person zuordnen zu können.

Somit weiß und speichert Google eben nicht "nur", was du mit dem Google Suchdienst wann gesucht und welche der Ergebnisse du dabei angesteuert hast, sondern erfährt meist auch sehr genau, wo du dich sonst noch herumgetrieben und was du dabei gelesen hast.

Nutzt du zudem noch die Google-Toolbar oder den Webbrowser Google Chrome, wird auch noch der bisher nicht erfasste Rest ausgeleuchtet.

Dass sich Google auch über weitere persönliche Daten, wie z.B. deine Termine im Onlinekalender, über deine Notizen im Onlinenotizbuch oder bei Google Mail über den vollständigen Zugriff auf deine eBriefe (was schreibst du wann wem und wie oft und wer schreibt dir wann was und wie oft) freut, die es Ihrem Profil sowie bei eBrief auch dem Profil der an dich Schreibenden und/oder von dir Angeschriebenen - auch wenn diese selbst keine Google Dienste nutzen - zuordnen kann, sollte nicht mehr verwundern.

Trotzdem ist Google nicht das Problem an sich, sondern eher Symptom und als momentaner weltweiter Marktführer prominentestes Beispiel.

Wer örtlich näher liegende Beispiele sucht, kann sich die analoge Konzentration solcher Daten beim deutschen Marktführer United Internet bewusst machen: Diesem Konzern gehören Tochterunternehmen und breit genutzte Dienste wie z.B. 1&1, web.de und gmx, über die ein Großteil der deutschsprachigen Internetnutzung abgewickelt wird. Auch bei Ebay (Nutzungszeiten, Umsätze, Konsumverhalten, Interessen), Amazon (wer hat wann welche Bücher angeschaut oder bestellt), StudiVZ (Persönliche Daten, Themen, Interessen und vor allem soziale Netzwerke zukünftiger Eliten), Facebook (Soziale Netzwerke und Kontakte), MySpace (Interessen, wer kennt wen) und anderen marktführenden Plattformen kommen naturgemäß mit der Zeit unheimlich viele personenbezogene Daten zusammen, werden gespeichert, ausgewertet und vermarktet.

Tracking erschweren

Als ein gegen gewerbliche Datensammler schon recht wirksamen Schritt solltest du sogenannte Cookies sowie Flash-Cookies automatisch löschen lassen. Dabei handelt es sich meist um unserer Person zugeordnete und auf unserem Rechner abgelegte Nummern, die bei jedem Seitenabruf wieder abgefragt und mit deren Hilfe wir selbst von Unternehmen dauerhaft und eindeutig identifiziert werden, die keinen Zugang zu der Zuordnung der verwendeten IP-Adressen zum Kunden haben.

Ein gutes Add-On zum Schutz gegen zu viel Neugier ist Ghostery. Das gibt es fast für alle bekannten Betriebssysteme und Netzbetrachter und sogar für Android- und iOS-Nutzer. Das Netzbetrachter Add-on zeigt nach der Installation oben rechts einen blauen Geist an. Darunter steht eine Ziffer, das ist die Anzahl der momentan verwendeten Webanalyse-Tools einer Weltnetzseite. Wer auf den blauen Geist klickt, sieht im Detail, welche Tools gerade in dieser Sekunde versuchen, dich zu belauschen. Bei jedem Eintrag kann man entscheiden, ob man die Analyse deaktivieren will. Ausgeschaltete Tools erscheinen in rot, die aktiven Tools in blau. Wer die Einstellungen verändert, muss die Seite neu laden. Beim nächsten Besuch hat sich Ghostery unsere Vorlieben gemerkt und führt die Blockade automatisch durch.

Weitere Informationen zum Thema Datenkrake findest du im SfN Infoblog:
www.blog.s-f-n.org/tag/datenkrake


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