Schützt eure Daten und Strukturen!

Hält man sich als politischer Aktivist in sozialen Netzwerken wie "facebook", "youtube", "twitter" und "wer-kennt-wen" auf, wird man bei der Suche nach Gleichgesinnten schnell fündig. Wie einige von politischen Personen jedoch mit sensiblen Daten wie Fotos, Aussagen, Klarnamen und Anschriften umgehen, lässt so manchen Aktivisten nur Kopfschütteln und unsere Gegner Freudensprünge machen. Eine eigene Recherche in virtuellen Netzen...

Es bedarf keiner eingehenden Recherche um bei manchen Personen, die sich politisch engagieren, ein komplettes Nutzerprofil über diesen zu erstellen: Der Eine veröffentlicht jedes Wochenende seine privaten Partyfotos, ein Zweiter teilt der gesamten facebook-Gemeinde, immerhin fast 13 Millionen in der BRD, mit, dass er gerade auf ein politisches Konzert in Frankfurt fährt, ein Dritter zeigt mal eben jedem unter welchem Realbild, Klarnamen, Anschrift und E-Post-Adresse er jederzeit erreichbar ist. Natürlich haben wir kein Recht andere an der Ausübung seiner politischen Arbeit zu kritisieren, aber wenn die persönlichen, wie der Name schon sagt, die persönlichen Daten auch persönlich bleiben.

Wir wollten es herausfinden: Innerhalb von nur wenigen Minuten fand unsere Recherche-Gruppe sechsunddreißig politische Nutzerprofile die derart ungeschützt waren, dass wir uns genötigt sahen den Nutzer anzuschreiben und auf die Schwachstellen hinzuweisen. Circa die Hälfte der Angeschriebenen reagierten verdutzt und versprach ihre Daten besser zu schützen, die eigenen Profile sicherer zu machen. Nach sechs Tagen weiterer Recherche waren diese leider noch immer ungeschützt. Die andere Hälfte der Personen die wir anschrieben, reagierten genau im Gegenteil: Neben wüsten Beschimpfungen, Aussagen wie, dass »uns diese Daten nichts angehen« bis zu, »sie seien politisch aktiv, man sollte auch mal Gesicht zeigen können«, war fast jede primitive Ausrede dabei. Die Daten jedoch zu schützen - vor dem Zugriff Fremder, kam den Personen jedoch nicht in den Sinn. Ausschließlich zwei Personen reagierten innerhalb einer Woche und sperrten ihre persönlichen Daten erfolgreich.

Zum Schmunzeln, sogar zum laut Auflachen brachten und ganze elf Personenprofile: Bei dem unzensierten Posen neben Fahnen - unnötig zu erklären um welche es sich handelte - natürlich klischeehaft mit Waffe in der Hand, politischen Aussagen die eindeutig unter Strafandrohung stehen, Konzert- und Demofotos - wo mehrere weitere Personen unzensiert gezeigt werden - und "Freundeslisten", die weder ausgeblendet, was in allen sozialen Netzwerken möglich ist, noch zensiert wurde. Solche Profile sind für politische Aktivisten, und solche die es gerne sein möchten, ein Super-Gau!

Und genau da ist auch Kritik angesagt: Wer mit seinen persönlichen Daten so lasch umgeht, scheint ein Dummkopf zu sein, wer jedoch Personenzusammenhänge, Einzelpersonen, Klarnamen und Gruppen dadurch offen legt, ist ein Zuträger unserer Gegner. Solchen Personen sollte man die Frage stellen ob sie bei einem polizeilichen Verhör auch alles von sich selbst verraten. Sie werden die Frage wohl verneinen, ein Blick auf den Rechner der Person, leichter noch, sein Nutzerprofil bei facebook und schon weiß der übereifrige Systemvertreter wo er sich am letzten Wochenende aufgehalten hat und mit wem er da war. Geschweige denn die "antifaschistische Outing-Gruppe", die sich bei solchen Daten unterhaltsam freut und bereits die Plakate, Aufkleber und Flugblätter gegen euch - mit euren eigenen veröffentlichten Daten - in Druck gegeben hat. Hinzu kommen Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen und Strafverfahren von dem System aufgrund einener Veröffentlichungen, die Repressalien folgen lassen und meistens noch mehr Informationen von uns Preis geben.

Während unser zweistündigen Recherche trafen wir auf über einhundert Nutzer die dem ersten Anblick als politisch "Rechts" zu erkennen waren. Neben den Nutzernamen "Rudi Hess", "Odin 1488" oder gar "A. Hitler88" - weitere ersparen wir unseren Lesern um den Lachmuskel zu schonen oder Wutkrämpfe über deren genutzen Nick, deren Schwachsinnigkeit in Verbindung mit hohen, ehrenhaften Persönlichkeiten zu bringen - war deren Einfallslosigkeit grenzenlos. Wir stellten die Suche im Netz frustiert und entäuscht ein, wiesen aber jeden den wir im Netz fanden schriftlich auf das Datenleck seines Profiles hin. Kaum gab es eine Reaktion.

Doch, ist es so schwer die Einstellungen der Netzwerke so zu administrieren, dass die Daten geschützt sind? - Nein, eher noch ist es sinnvoller erst gar nicht über "Privates" zu plaudern oder zu speichern sondern konzequent von Anfang an seine Internas auch geheim zu halten! Um ein "Gefällt mir" von Unbekannten in seiner "facebook-Freundesliste" abzugreifen gibt man auch gerne mal der großen Netzwelt bekannt, dass »er soeben am Bahnhofsvorplatz ein paar Punks mit Tobi und Andy angepöpelt und geboxt hat«. Kurz darauf schreibt Andy, mit Klarnamen darunter - "ja, geile aktion!" - Zurückverfolgbar in seinem Profil mit voller Anschrift samt Bild. Super, sie wissen wie man mit sensiblen Daten umgeht, meinen wir ironisch. Kopfschütteln bei unseren Recherche-Aktivisten...

Gefestigte, politische Einzelaktivisten und Gruppenführer bekommen bei solchen Nutzerprofilen eine Gänsehaut. Sie fragen sich, wie oft denn noch eine Rechtsschulung durchgeführt werden muss, damit auch der letzte Aktivist mehr Wert auf Datenschutz und Privatsphäre legt. Vielleicht muss auch erst eine Offenlegung der Daten durch einen Gegner erfolgen bis auch der übereifrigste "Kamerad" erfährt, dass wir uns im Kampf gegen das System befinden und nicht im Umschwung zu einem besseren Leben. Jede Datensammlung der Gegner ist zwar nicht vermeidbar, aber minimierbar auf das Mindeste! Nur durch unsere eigene Dummheit, ja so muss man es schon nennen, können unsere Gegner Zusammenhänge erkennen, Gruppenzugehörigkeiten zusammenreimen und unsere persönlichen Daten speichern und auswerten. Über 60% der Daten über uns werden mittlerweile über solche sozialen Netzwerke gewonnen, wir selbst erleichtern unseren politischen Gegnern ihre Arbeit. Unsere Recherche-Gruppe fand ebenfalls heraus, dass von zehn "Outings" bundesweit - alleine im letzten Jahr - mindestens acht mit Daten durchgeführt wurden, die wir selbst ihnen, wenn auch unbewusst, per facebook und Co zuspielten. Wie dies geschieht kann sich jeder selbst ausmalen.

Nach dem der "Geoutete" vielleicht seine Arbeit, Umfeld und Freunde verloren hat, wird nach Schuldigen gesucht und die "Antifa" als allmächtig angesehen, doch spätestens dann sollte dieser "Kamerad" sich an die eigene Nase fassen. Oft endet diese Veröffentlichungsaktion der Gegenseite mit einem Austritt aus der Bewegung, weil er scheinbar erst dann begreift, dass wir uns im Kampf mit dem System und seinen Unterstützern befinden und nicht auf einem Abenteuerspielplatz ein bisschen Räuber und Gendarm spielen. Der Vorteil ist, dass nun die Spreu vom Weizen getrennt wird: Keine Öffentlichkeitsmachung von Kameraden ist erfreulich, aber bei Einigen scheint es geradezu unvermeidlich zu sein...

Für politische Personen gibt es bei solchen Nutzerprofilen aber nur eine Konsequenz: Sprecht die Datenoffenleger an, weißt sie auf die sensiblen Daten hin, fordert sie zur Löschung oder öffentlichen Sperrung hin - reagieren sie nicht, ignoriert und isoliert Sie! Kündigt die "Freundschaften" in den Netzwerken und macht Sie als Datenverbreiter in allen Netzen öffentlich! Wer mit Daten anderer so unachtsam umgeht ist ein Zuträger und wenn auch unbewusster Unterstützer des Systems und hat in unseren Reihen, auch in den virtuellen Netzen, nichts zu suchen!
Wer meint, er solle »sein Gesicht zeigen« kann gerne einer unserer Demonstrationen des Widerstandes besuchen statt Maulheld hinter Monitor und Tastatur zu spielen.

Datenschutz ist unvermeidbar - Schützt eure Daten und Strukturen!