Was heisst das? Ein Beispiel ...

Wie ausgeführt, sind über das Mobiltelefon verschiedenste Dinge möglich, nicht nur das Belauschen von Gesprächen.

Die eigentlichen Telefonate haben heute gar keine so große Bedeutung mehr. Viel wichtiger sind die Abfalldaten:

  • Wer Telefoniert mit wem?
  • Welche Bewegungsprofile entstehen?
  • Wer benutzt welche, nicht auf sich angemeldete Mobiltelefone?
  • Und welche Namen und Nummern sind im Adressbuch gespeichert?

Du solltest dich vor allem verdeutlichen, dass deine Geräte Datenabdrücke hinterlassen, die im Zeitalter des Computers natürlich noch lange nachverfolgt werden können.

Anhand eines fiktives Szenarios wollen wir mal verdeutlichen, was das Mobiltelefon so alles anrichten kann, wenn du es unachtsam gebrauchst:


Der Aktivist Arthur (der in diesem Beispiel zwar den Mund am Telefon hält, aber leider unvorsichtig mit seinem Gerät umgeht), ist ins Visier der Ermittler geraten. Er war einigermaßen clever und hat ein Telefon, das auf seine Mutter angemeldet ist. Deshalb läuft eine Anfrage der Polizei bei T-Mobile, 02, E-Plus und Vodafone ins Leere. Weil Arthur aber als Kontaktperson einer untergetauchten Freundin unter Beobachtung steht, folgt ihm ein paar Tage lang ein Oberservationsteam des Staatsschutzes, um rauszufinden, wie interessant Arthur ist. Die Polizisten haben einen IMSI-Catcher dabei, den sie einmal vor der Kneipe, einmal vor der Wohnung und einmal am Hafen anmachen.

Zwei Nummern erscheinen bei allen drei IMSI-Attacken auf dem Bildschirm: Die von Arthurs Mutter, die ab sofort abgehört wird, und eine Zweite, unbekannte, die als Prepaid-Karte noch nicht registriert ist. Auch sie wird von diesem Zeitpunkt an abgehört.

Am Telefon selbst ist Arthur sehr vorsichtig und bespricht nichts politisch Relevantes. So kommen die Schnüffler also nicht weiter. Weil sie aber überprüfen wollen, ob Arthur an der Aktion einer nationalen Gruppe teilgenommen hat, wegen der seine Freundin gesucht wird, beantragen sie rückwirkend die Verbindungsdaten des Gerätes:

Mit wem ist von diesem Mobiltelefon aus gesprochen worden?

Die Mobilfunkfirma liefert jetzt nicht nur die Verbindungsdaten, sondern auch die Logfiles, mit denen sich mit einiger Mühe ein ziemlich genaues Bewegungsprofil erstellen lässt. Ganz nebenbei (siehe oben) können diese Schnüffler anhand der IMEI auch ablesen, das Arthur sein Telefon aus Holland hat.

Die Staatsschutzbeamten waren gründlich und haben (über Anfragen bei den Mobilfunkfirmen und den IMSI-Catcher) nicht nur rausgefunden, welche Mobiltelefone Arthur benutzt. Sie haben auch rückwirkend bei der Mobilfunkfirma die Daten einer bestimmten BSS und der zugehörigen Antennen beantragt, die ganz in der Nähe liegt, wo es vor einem Jahr zu einer Straftat kam. Da die Aktion nachts um 4 Uhr stattfand, sind kaum Daten gespeichert. Allerdings war zum Zeitpunkt der Aktion das Prepaid-Telefon von Arthur eingeloggt, das nicht registriert war und zu dem die Schnüffler deshalb keinen Nutzer zuordnen können. Dank des IMSI-Catchers wissen sie jetzt, dass das Mobiltelefon von Arthur benutzt wird.

Aus den Daten der Mobilfunkfirma wissen die Beamten auch, dass das Gerät in der betreffenden Nacht nur zwei Mal kurz genutzt wurde, ohne dass ein Gespräch zustande kam. Da aber auch Anwahlversuche gespeichert werden, wissen sie immerhin, mit welcher anderen Nummern Arthur nachts telefonieren wollte. Sie vermuten, dass die zweite Person ebenfalls an der Aktion beteiligt war und das Anklingeln ohne zu reden ein verabredetes Signal war.

Durch die rückwirkend gelieferten Daten sehen die Polizisten auch, dass das auf Arthurs Mutter registriertes Telefon an einem Samstagabend vor vier Wochen in der Nähe eines Klubs in Berlin eingeloggt war. Dort fand eine nationale Infoveranstaltung zu einigen geplanten Aktionen statt, an der Arthur offenbar teilgenommen hat. Erst am Montag drauf war er wieder zu Hause in Hamburg. Aufgrund der neu gewonnenen Erkenntnisse wird Arthur observiert.

Arthur bemerkt die unauffälligen Herren in ebenfalls so unauffälligen Opel Astras und schlägt ein paar Haken in der U-Bahn und bei Saturn, bis er sicher ist, alleine zu sein. Die Observateure schicken, nachdem sie Arthur verloren haben, eine stille SMS an die Nummer ... siehe da: Arthur hat das Telefon seiner Mutter eingeschaltet gelassen!

Auf dem Display sehen die Observateure deshalb, in welcher Funkzelle das Mobiltelefon eingeloggt ist.

Ein paar Minuten später haben sie Arthur wiedergefunden. Um nicht erneut aufzufallen, bleiben die Observateure ab sofort außer Sichtkontakt, überprüfen aber regelmäßig mittels stiller SMS den Aufenthaltsort des Telefons.

Bei einem NPD-Infostand, an der Arthur teilnimmt, nehmen die Polizisten ihn schließlich hoch. Weil die Polizei bei der anschließenden Hausdurchsuchung die PIN-Nummer seines Telefons finden, kopieren sie als Erstes das gesamte Telefon-Adressbuch und werten es anschließend aus. Auf diese Weise haben sie nicht nur ein umfassendes Bewegungsprofil von Arthur erhalten, sonder können auch präzise sehen, mit wem Arthur wie oft Kontakt hält. Theoretisch könnten sie das gleiche jetzt mit allen so erlangten Nummern machen - was in der Praxis natürlich nur in ausgewählten Fällen gemacht wird.


Das Beispiel ist konstruiert und klingt sehr übertrieben. Es soll aber vor Augen führen, was theoretisch alles geht (und praktisch oft auch gemacht wird).

Halte dir immer vor Augen, dass neben dem Inhalt von abgehörten Gesprächen auch ein breites Bewegungsprofil von dir entsteht, wenn du Mobiltelefone nutzt - aktuell, aber auch rückwirkend!