Während der Demonstration

Am Versammlungsplatz einer Demo werden meistens Zettel mit der Nummer des Ermittlungsausschusses verteilt. Schreib dir diese Nummer mit einem Edding auf den Unterarm, da deine Taschen bei einer evtl. Festnahme geleert werden.

Die Polizei wird öfter versuchen euch durch aggressives Auftreten einzuschüchtern. Allgemein gilt es deshalb immer, einen kühlen Kopf zu bewahren und ruhig zu bleiben. Wer zum ersten Mal auf eine Demo fährt, sollte sich das Geschehen vielleicht erst einmal etwas anschauen. Egal, wo ihr euch einreiht, bildet immer Blöcke!

Sie schützen euch vor Übergriffen, lassen Sprechchöre besser koordinieren und sorgen für ein entschlossenes und organisiertes Demobild für Umstehende.

Gerade wenn es hektisch wird und die Systemeinheiten die Demo mit Tränengas und Gummischrot spalten wollen sind Blöcke ein wichtiges mittel gegen Repressionen. Wenn ihr vereinzelt seid, fällt es ihnen leichter, einzelne herauszugreifen. Sprecht euch mit anderen Gruppen oder Blöcken ab, wenn ihr eine Aktion starten müsst, oft ist einem ggf. notwendigen Durchbruch mehr Druck notwendig als ihr aufbringen könnt. Bleibe aber auch dann bei deinen Kameraden. Die Staatsdiener merken sich beteiligte Personen, um sie im günstigen Augenblick herauszugreifen.

Im Block bildet ihr Kleingruppen von Leuten, die sich gut kennen und immer zusammenbleiben. Diese Gruppe sollte nicht mehr als 5 Personen umfassen. So könnt ihr euch sicher sein, dass immer wer bereitsteht um euch vor Übergriffen durch die Polizei zu schützen.
Mehr Infos im Zusatzthema Bezugsgruppen

In Extremsituationen solltet ihr euch in Ketten einhaken, damit man euch nicht auseinander reißen/angreifen kann. Wenn Kameraden von Polizisten angegriffen werden, zieht die Kameraden in den Block (evtl. strafbar, das muss jeder für sich entscheiden).

Vereinbare mit deinen Kameraden einen Treffpunkt für den Fall, dass ihr euch während der Demo verliert. Es kann vorkommen, dass sie eine Demo zerschlagen: Überlegt euch vorher, wie ihr euch in diesem Fall verhalten wollt, ob ihr nach Hause geht oder noch in der Stadt bleiben wollt. Besprecht dies schon vor der Demonstration.

Sollte es zu Festnahmen kommen, so merkt euch, wer als Zeuge vor Gericht aussagen könnte. Sprecht direkt danach Kameraden an, die Fotos oder Videos machen, damit ihr eine Kopie für einen eventuellen Rechtskampf bekommt. Die Aufnahmen können möglicherweise vor Gericht die ungerechtfertigte Polizeimaßnahme beweisen [Videoaufnahmen vom Geschehen bringt ihr im Falle einer abzusehenden Festnahme zum Lautsprecherwagen.]

Es kann vorkommen, dass die Staatsorgane offenkundig gegen Rechte verstößen. Dies kann der Fall sein, wenn die Demo am Ab- oder Weitermarsch gehindert wird oder wenn Zwangsmaßnahmen gegen die Teilnehmer vollzogen werden. Weise beharrlich auf deine Rechte hin und versuche, sie zu wahren!

Sollte es zu Übergriffen durch die Polizei/Antifa kommen rennt niemand weg! Versucht gemeinsam die Übergriffe abzuwehren. Achtet besonders darauf, dass ihr euer Notwehrrecht nicht überschreitet, da das zu weiteren Komplikationen führen könnte. Wer Steine zurück wirft oder selbst auf Gegendemonstranten losstürmt, gefährdet sich und die Versammlung, da die öffentliche Sicherheit gefährdet wird. Abgesehen davon fördert jeder Gewalttäter das Bild, welches die Medien ohnehin von uns zu zeichnen versuchen - geben wir ihnen also keinen Ansatz!

In solchen Extremsituationen werden eventuell eingeschleuste Provokateure mit ihrer Arbeit beginnen. Achtet darauf, ob ihr die Kameraden kennt die bei euch in der Nähe sind. Wenn euch manche Leute völlig unbekannt sind und sie durch extremere Aktionen auffallen sagt bitte einem Ordner bescheid, damit die Angelegenheit geklärt wird.

Mach andere Demoteilnehmer auf Zivilpolizisten aufmerksam, zeige sie ihnen offensichtlich, denn nur unerkannt fühlen sie sich sicher und können ihre Aufgabe wahrnehmen.

Bevor sie zum "letzten Mittel", nämlich der gewaltsamen Auflösung der Demo greifen, wird es vielfach zu kleineren Einschüchterungsversuchen kommen. Diese sollen dich verunsichern und dazu bewegen, aus freien Stücken das Feld zu räumen. Die erhoffen sich so die "schweren Geschütze" nicht auffahren zu müssen - Wasserwerfer oder prügelnde Hundertschaften erzeugen ein Bild des totalitären Polizeistaates.
Um dieses Bild zu vermeiden, finden Demos oft auch dann noch statt, wenn sie zuvor schon fast gescheitert waren. An der Beharrlichkeit aller Demonstrationsteilnehmer, die sich nicht verunsichern ließen, sind schon viele Täuschungsversuche des Systems gescheitert.

Es sollte allen klar sein, dass militantes Vorgehen nicht der alleinige Zweck einer Demo ist, sondern nur eine Reaktion auf bestimmte Situationen sein kann. Wer das vergisst, hat auf einer Demo nichts verloren.