Vor der Demo

Mach dir Gedanken darüber, welche Daten sich auf deinem Telefonen befinden. Zwar gibt es einige rechtliche Hürden, ehe jemand dein Mobiltelefon beschlagnahmen und durchsuchen darf, doch ist es alles andere als sicher, dass euch das im Ernstfall wirklich hilft.

Und auch wenn niemand euer Gerät in die Hände bekommt, drohen durchaus Gefahren für die Privatsphäre. Denn seit 2012 ist bekannt, dass die Polizei flächendeckende Funkzellenabfragen während Demos durchführt. Bei einer Funkzellenabfrage werden alle Verbindungsdaten ausgewertet, die in einer bestimmten, räumlich bezeichneten Funkzelle in einem bestimmten Zeitraum angefallen ist. Die Berliner Polizei hat beispielsweise im letzten Jahr auf diese Weise 50 Millionen Verkehrsdatensätze gesammelt. Damit lässt sich quasi ein elektronisches Register anlegen, wer an welcher Demo teilgenommen hat - und zwar auch ohne dass es den geringsten Verdacht gegen die Personen gäbe, die so ins Raster der Behörden geraten. Gegen die Funkzellenabfrage ist leider kaum ein Kraut gewachsen, sofern man das Mobiltelefon nicht in den Flugzeug-Modus stellen will. Aber was die Inhalte des Mobiltelefon angeht haben wir eine Reihe von Empfehlungen:

Schütze deine Daten! Wenn du noch irgendwo ein älteres Mobiltelefon hast, ist es empfehlenswert, dein jetziges vorübergehend zu ersetzen. So kannst du für den Fall der Fälle sicher gehen, dass deine Fotos, dein Adressbuch und andere Daten sicher zu Hause liegen.

Mach ein Back-up. Eine weitere und einfache Möglichkeit ist es, vor der Demo ein Back-up aller Inhalte, deines Adressbuchs und aller Nachrichten zu machen, um dann dein Gerät komplett löschen zu können. Dieses leere Gerät kannst du dann problemlos mit zur Demo nehmen. Nach der Demo holst du dir einfach alles mit dem Back-up zu Hause zurück. Wenn du allerdings meinst, dass du gar kein Mobiltelefon brauchst, bringe einfach keins mit.

Sperre dein Mobiltelefon mit einem Passwort. Der Passwortschutz kann dein Mobiltelefon vor physischen Durchsuchungen schützen - aber vergiss nicht, dass er von Geheimdiensten oder anderen Behörden eventuell umgangen werden kann. Eine Kombination aus Zahlen und Buchstaben ist generell sicherer, denn eine Zahlenkombination lässt sich in wenigen Minuten knacken.

Weitere Informationen zum Thema Passwort: Passwortschutz

Benutze verschlüsselte Kommunikationswege. SMS können generell von deinem Anbieter gespeichert und mitgelesen werden - oder auch mit Hilfe von diversem Überwachungsmaterial, das in der Nähe der Demo aufgestellt wird (Stichwort IMSI-Catcher). Du solltest dich mit deinen Freunden vor der Demo mit verschiedenen Verschlüsselungstechniken und -diensten vertraut machen, um deine Nachrichten vor fremdem Zugriff zu schützen. Direkte Nachrichten über soziale Netzwerke können beim Senden teilweise verschlüsselt werden. Strafverfolgungsbehörden haben aber die Möglichkeit, mit Hilfe von Anordnungen die Herausgabe der Daten bei den Unternehmen anzufordern.

Eine gute Möglichkeit für den besseren Schutz von Nachrichten ist die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Mit Apps wie TextSecure (Whisper Systems) kannst du deine SMS und mit ChatSecure (Guardian Project) dein Instant-Messaging verschlüsseln. Auch die mobile Version von Cryptocat ist ganz gut für verschlüsselte Chats.

In Deutschland relativ verbreitet ist außerdem die (kostenpflichtige) App Threema. Leider ist die Software nicht OpenSource, aber sicherlich doch etwas sicherer als offene Kommunikation über Facebook oder SMS.

Wichtig: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt nicht deine Metadaten. Mit anderen Worten: Selbst wenn du alles verschlüsselst, können Behörden je nach System evtl. weiterhin sehen, mit wem du wann und wie lange telefonierst oder Nachrichten austauschst.