Erfahrungsbericht: Allein auf dem Revier

Auf dem Revier haben sie mir wieder die Handschellen abgenommen. Ich musste meine Taschen ausleeren und meine Personalien angeben. Dann kann ich wieder warten.

Die Festnahme geht mir wie ein Film durch den Kopf. Der Polizeiwagen, der plötzlich hinter mir ist. Dann noch einer, der mich überholt und sich querstellt. Sie springen mit gezogenen Pistolen heraus und zerren mich aus dem Auto. Eine Antwort auf die Frage, was das ganze denn soll, kriege ich nicht. Sie haben hier die Macht, und nur sie haben das Recht, Fragen zu stellen. Sie sind aufgeregt und warten nur darauf, dass ich irgend etwas sage oder wütend werde, damit sie mich verprügeln können. Ganz schön kaputt diese Typen.

Dann in Handschellen aufs Revier. Und nun sitz ich hier.

Erst haben sie mich behandelt wie einen Hochexplosivstoff und nun tun sie so, als wäre ich gar nicht da. Sie gehen raus und rein, telefonieren, reichen sich Akten zu und flüstern, man hat das Gefühl, dass sie dir ein ganz dickes Ding anhängen wollen. Und dann diese Warterei und Ungewissheit. Warum haben sie dir die Wohnungsschlüssel abgenommen? Du sitzt, wartest und machst dir immer verrücktere Gedanken.

Endlich kommt einer und führt dich in einen anderen Raum. Er fragt nochmals nach meinen Personalien und will dann wissen, wo ich vorher gewesen bin. In diesem Moment bin ich fast so weit, dass ich meinen Vorsatz, nur vor dem Richter auszusagen, aufgebe. Nur um hier schnell wegzukommen. Und das ist ja wirklich eine Kleinigkeit zu sagen, wo ich gewesen bin. Aber dabei wird es natürlich nicht bleiben. Die nächsten Fragen wären: "Wo waren sie vorher, mit wem und wen kennen Sie da."

Also will ich doch erst einmal wissen, was mir vorgeworfen wird. Ich verlange meinen Anwalt zu sprechen. Nun muss ich wieder warten. Am besten, ich schlafe ein bisschen.

Schlimmstenfalls kriege ich einen Haftbefehl, dann werde ich eben das Gefängnis mal von innen kennenlernen. Schließlich hat die Warterei ein Ende.

"Kommen Sie mit", sagt einer und einen Moment lang hoffe ich, nach Hause gehen zu können. Draußen wartet aber schon ein Wagen und ich muss einsteigen. Wohin es geht wird mir nicht gesagt. Die Sitzzelle im Auto ist wirklich winzig, keine Luft und eine Fahrt ins Ungewisse. Man wird hin und her geschaukelt. Das Auto hält und die Minizelle wird aufgeschlossen. Ich bin auf einer ganz normalen Straße.

Ein Schild: Gerichtsmedizinisches Institut.

Mir wird Blut abgezapft. Dann wieder ins Auto. Diesmal dauert die Fahrt etwas länger: Ein Krankenhaus, in dem eine Urinuntersuchung vorgenommen wird. Die Tür zur Toilette bleibt offen, damit ich nicht entwischen kann. Dann ist auch das überstanden und ich komme zur Gothaer Straße - Polizeigefängnis - und wieder warten.