Die Taktik des "Sie haben gewonnen"

Eine weitere Gefahrenquelle ist die Euphorie, die sich einstellt, wenn man meint:

Ich habe es geschafft. Fast jeder weiß, wie man sich fühlt, wenn man aus einer Drucksituation befreit wird. Man ist gesprächig, fröhlich und redet wie aufgedreht, z.B. wenn man eine Klassenarbeit, eine Klausur oder eine Prüfung erfolgreich hinter sich hat. Man fühlt sich unbeschwert, wenn man die Last los ist. In dieser Stimmung hat man wenig Lust, noch weiter an die Strapazen zu denken. Man vergisst schnell die Mühsal und damit leider auch jede Vorsicht.

Nach einer langwierigen Druckperiode in einem Vernehmungszimmer, nach allen möglichen Beschimpfungen, Anfeindungen und all den Strapazen wird plötzlich gesagt: Schluss, es hat keinen Zweck, er will nicht, gut. "Sie haben gewonnen.", sagt ein Beamter zu dir. Du bist froh, stolz und weißt, dass du gut warst. Warst du auch.

Aber Schluss ist eben nicht dann, wenn sie es sagen. Jetzt beginnt ein neuer Rollenwechsel. Du siehst die Beamten, mit denen du zu tun hattest, erschöpft. Sie waren erfolglos. Sie übergeben dich jetzt einen anderen, den du noch nicht kennst. Der hat nur den Auftrag, mit dir etwas zu essen, oder dich ins Gefängnis zurückzubringen. Er scheint völlig unverdächtig. Er fragt dich, ob du sie fertiggemacht hast. Er spielt Schadenfreude. Du freust dich, dass du jemanden hast, der deine Freude teilt - aber auch er wartet nur auf deine Worte.