Wie bekommst Du Kontakt zur Außenwelt ?

Einer der Hauptquellen deiner Angst ist die Abschottung. Du hast keine Ahnung, wann Hilfe kommt und weißt nicht, wie lange die Prozedur dauert. Es gehört zu den Praktiken der Polizei, dir zunächst nicht zu sagen, wann du entlassen wirst. Sie lassen dich in dem glauben, dass du verhaftet werden sollst und dass du mindestens 14 Tage drinnen bleibst. Auch wenn sie dich noch am gleichen Tag entlassen. Wir wissen auch, dass man wegen einer Lappalie oder ohne, dass man etwas strafbares getan hat, verhaftet werden kann.

In dieser Situation heißt es Ruhe bewahren und sich auf den schlimmsten Fall einzustellen. Der schlimmste Fall ist zunächst die Vorführung vor einem Richter. Das muss in der BRD spätestens vor Auslauf des auf die Festnahme folgenden Tages geschehen. Obwohl eigentlich die Vorführung vor einen Richter unverzüglich zu erfolgen hat, nutzt die Polizei diese Frist voll aus. Du musst dich auf diese Frist einstellen.

Diese Zeit musst du nutzen. Schlafe und entspanne dich. Zwinge dich zum Abschalten. Denk darüber nach, was du deinen Anwalt sagen wirst. Lies, mach Denksportaufgaben oder sonst etwas, was dich ablenkt. Mach dich nicht fertig wegen möglicherweise gemachter Fehler.

Beobachte die Menschen in deiner Umgebung. Merke, was sie sprechen, wie sie heißen oder wie sie sich anreden. Achte genau auf ihr Äußeres und sag kein Wort. Wenn man dir Essen, Trinken oder eine Zigarette gibt, dann nimm sie und sag keinen Ton. Erst wenn sie dich zur Vernehmung holen, wenn du vor der Schreibmaschine sitzt, dann kannst du sagen, dass du einen Anwalt sprechen willst. Sag gleich welchen, damit sie nicht irgendeinen nehmen.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Sie lassen dich mit einen Anwalt sprechen oder mit seinem Büro. Dann sag ihm deinen Namen, wo und unter welcher Begründung man dich festgenommen hat und wo du bist. Oft wird es so sein, dass der Anwalt im Moment nicht kommen kann. Dann sei nicht enttäuscht. In dieser Situation kann der dir ohnehin nicht helfen. Sie sind nicht einmal verpflichtet, ihn zu dir zu lassen. Dein Anruf hat aber den Wert, dass draußen jemand weiß, wo du bist. Er kann sich dann sofort um dich kümmern, wenn du verhaftet werden solltest.
  • Wenn sie dich nicht mit ihm sprechen lassen oder wenn dein Anwalt in einer anderen Stadt wohnt, dann warte bis du dem Richter vorgeführt wirst.

    Der Richter muss ein Protokoll aufnehmen, auch wenn du keine Aussage machst. In dieses Protokoll lass folgendes aufnehmen:
    • Ich beauftrage Rechtsanwalt xyz, Ort, Straße mit meiner Verteidigung. Ich beantrage für diesen Anwalt:
    • einen Sprechschein
    • eine Abschrift dieses Haftbefehls (falls einer ergeht)
    • eine Abschrift dieses Vorführungsprotokolles zuzusenden.

Das hat zur Folge, dass der so benachrichtigte Anwalt dich schnell besuchen kann und dass er weiß, um welchen Sachverhalt es sich ungefähr handelt. Er kann aufgrund der in das Protokoll diktierten Vollmacht sich als dein Verteidiger legitimieren. Falls er verhindert ist, kann er gleich in die Wege leiten, dass dich ein anderer Anwalt besucht, zu dem du gleich Vertrauen haben kannst. Aber auch wenn der nicht gleich kommt, nachdem deine Post ihn erreicht haben müsste, gerate nicht in Panik. Manchmal lässt sich das nicht so schnell einrichten. Manchmal ist der Anwalt verhindert oder verreist. Dann schreib nochmals. Dränge ihn dir wenigstens schriftlich zu antworten. Das klappt meistens. Lass dich nicht von der Umgebung im Knast oder in der Polizeizelle fertig machen. Das alles ist geeignet, dich in Panik zu versetzen. Es stinkt und es ist kalt. Du hast Hunger und Durst. Neben dir schnarchen Betrunkene, andere stöhnen oder schreien. Im diesem Moment hilft nur: Abschalten, Schafen oder genaues Beobachten. Achte auf jedes Detail deiner Umgebung. Das lenkt dich ab, und es kann sich später als nützlich erwiesen. Versuche immer eine eiserne Reserve von Geld bei dir zu haben. Fünf Euro, um wenigstens nur zwei Tage Zigaretten zu haben. Zigaretten sind Knastwährung. Du kannst dafür Briefpapier, Bleistift und Briefmarken erhalten, die du nur an deinen Verteidiger brauchst. Besser ist allerdings, du bist gar nicht erst von Zigaretten, Alkohol oder sonstigen Mitteln abhängig.

Nutze die Wartezeit für Planungen: Was ist draußen zu regeln? Am Arbeitsplatz, in der Wohnung oder in der Schule? Müssen die Kinder versorgt werden? Welche Verwandten müssen beruhigt und welcher Chef muss benachrichtigt werden? Solche Sachen kannst du auch aufschreiben. Nur nichts, was mit deiner Verhaftung zu tun hat.

Wenn du es nicht unbedingt aus psychischen Gründen zum Abreagieren von Wut nötig hast, leiste keinen Widerstand gegen Transporte, erkennungsdienstliche Maßnahmen oder sonstige Praktiken der Polizeibeamten. Du kannst dir sicher sein, dass sie stets in der Lage sind, diesen Widerstand gewaltsam und unter Schmerzen zu brechen. Für die Beamten ist das eine gute Gelegenheit, dir deine Unterlegenheit auf dieser Ebene zu demonstrieren und dich nicht nur psychisch, sondern auch körperlich zu schwächen. Es ist schlecht wenn du jetzt nicht nur wegen deiner Nervosität, sondern auch wegen der Schmerzen an Armen, Beinen, Rippen und Handgelenken nicht schlafen kannst