Untersuchungshaft

Wenn der Richter gegen dich einen Haftbefehl erlassen hat und du in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden bist, findest du dich in einer völlig neuen Situation, in die du dich erst einmal reinfinden musst.

Um auch hier den verunsichernden, entnervenden Überraschungseffekt zu mindern, informiere dich bei ehemals inhaftierten Kameraden eingehend über das Leben im Knast. Über deine Rechte auf Einkauf, Verkehr mit der Außenwelt, Verhältnisse zu Wärtern und Mitgefangenen und Beschäftigungsmöglichkeiten im Knast. Abgesehen davon, dass es zum politischen Wissen von Kameraden gehören muss, die Unterdrückungsmittel des Staates auch in ihrer praktischen Anwendung und Wirkung zu erkennen, hilft es bei der Bewahrung deines Selbstbewusstseins.

Wie jedem politischen Aktivisten bekannt sein müsste, ist es von großer Wichtigkeit, darauf zu achten, wo, mit wem und über was gesprochen wird. Von uns bekannten Personen haben wir einen staatsanwaltschaftlichen Brief erhalten, der einmal mehr verdeutlicht, dass es keine Privatsphäre in diesem Staat gibt und wir möchten mit der Veröffentlichung noch einmal daran erinnern.
Besuche von Angehörigen und Freunden im Staatskerker bilden da keine Ausnahme. Es reicht nicht aus, dass Gespräche durch einen stets anwesenden Vollzugsbeamten "belauscht" werden, denn gerne bedient man sich auch technischer, akustischer Überwachung um Gespräche von Beschuldigten und deren Besuchern aufzuzeichnen.

Weitere Informationen zum Thema findest du im SfN Infoblog:
https://www.s-f-n.org/blog/das-gesprochene-wort-hinter-gittern/