Erfahrungsbericht: In der Zelle

"Sie führen dich einen Gang entlang, links eine Eisentür, rechts eine Wand, schließen eine Tür auf, gehen mit dir rein - so, da sind wir und dann gehen sie wieder raus und schließen die Tür hinter dir zu. Ein Tisch, ein Stuhl, ein Bett, ein Schrank, ein Waschbecken und ein Klo. Du stehst da und denkst nichts weiter als, "Ich will hier raus!". Von draußen trennen dich drei verschlossene Eisentüren, die Wände sind dick, und das Fenster ist vergittert. Wie komme ich nun hier wieder raus. Du steigst auf einen Stuhl, schaust dir das Gitter an und merkst, dass es fest sitzt. Nun schaust du in den Hof - Mauern, keine Menschenseele. Kein Mensch, mit dem du reden könntest, nur Feinde. Wärter und Aufpasser. Sie lauern hinter der Tür und beobachten dich durch den Spion. Sie herrschen dich an: du solltest von dem Stuhl herunterkommen, das sei verboten. Jetzt haben sie dich in ihrer Gewalt und das lassen sie dich spüren. Sie können kommen, wann sie wollen: Ob du beim Essen bist, beim Zähneputzen oder auf dem Klo. Wer weiß, was sie noch alles mit dir vorhaben. Du gehst auf und ab und gerätst langsam in Panik. Dir fallen von Leuten Geschichten ein, die verprügelt wurden, und von Leuten, die wahnsinnig wurden. Jedes Mal, wenn du draußen die Schlüssel scheppern hörst, zuckst du zusammen. Und dann die schreckliche Enge. Dauernd stößt du dich an irgendeiner Ecke vom Tisch, vom Waschbecken oder vom Bett.

Du kannst dich nicht bewegen, kannst nicht schnell mal in die Küche gehen und dir einen Kaffee machen oder schnell mal an die Ecke und dir eine Zeitung holen. Du hast nichts zu tun. Du sitzt und wartest."





Auch als Untersuchungsgefangener hast du in der BRD nach dem Wortlaut der Gesetze - Grundgesetze, Strafprozessordnung, Untersuchungshaftvollzugsordnung - eine Anzahl von Rechten.

Nach dem Gesetz dürfen diese nur insoweit eingeschränkt werden, wie es die Durchführung der U-Haft oder die "Sicherheit und Ordnung der Anstalt" erfordern. Auch das ist Propaganda. In Wirklichkeit werden deine Rechte unter allen möglichen Vorwänden von den Gerichten, aber auch von der Anstaltsbürokratie ständig und auf verschiedenste weise eingeschränkt. Merke dir, Sicherheit und Ordnung gehen über alles. Zuerst kommt die Haftanstalt und dann erst der Gefangene.

Die Ordnung und Sicherheit der Anstalt wird unter anderem gefährdet durch:

  • Sprechen mit anderen Gefangenen
  • Annahme und Abgabe eines Päckchen Tabak
  • ein eigenes Radio (weil irgend jemand aufgebracht hat, man könne aus jedem UKW-Teil sofort und ohne Zusatz einen Sender bauen)
  • einen eigenen Fernseher (weil man mit der hohen Stromspannung die Wärter unter Strom setzen könnte)
  • zu viele Bücher oder Zeitungen in der Zelle (weil es dann unübersichtlich wäre)
  • eine Uhr (weil man dann die Flucht verabreden könne)
  • eigene Unterwäsche (weil man nur einem Flüchtling in Anwaltswäsche ansieht, dass er geflohen ist)
  • und nicht mehr als einmal vierzehntägig Besuch (weil sonst die Anstalt überlaufen würde)

Die Begründungen in den Klammern stammen von deutschen Gerichten oder Haftanstalten!

Dein Briefverkehr wird häufig auf zwei zweiseitige Briefe pro Woche eingeschränkt. Der Grund dafür ist meist, dass die Richter der Auffassung sind, es sei nicht ihre Aufgabe, den unbehinderten Kontakt des Gefangenen zur Außenwelt zu gewährleisten und durchzusetzen. Sie empfinden diese Pflicht als lästig und entledigen sich ihrer durch einen halbseitigen Beschluss.

Untersuchungshaft ist schlimm. In vielen Fällen bedeutet sie für den politischen Gefangenen ein staatlich legitimiertes Verbrechen an seiner Persönlichkeit, seiner seelischen und kärperlichen Gesundheit und der sozialen Existenz. Der Staat praktiziert seine Macht am Beispiel vieler Einzelner, damit das Volk Angst vor dieser Macht hat. Es soll die Unterdrückung draußen, immer noch der Qual drinnen vorziehen und nicht auf "dumme" Gedanken kommen. Wir wissen also: Der Zweck der Untersuchungshaft (Beugehaft) ist nicht nur der, der in den Gesetzen steht. Vielmehr soll jeder so starke Angst vor der totalen Unterdrückung seiner Persönlichkeit, seiner sozialen Kontakte und der Zerstörung seiner Existenz haben, dass er die Finger von allem lässt, was nach Knast riecht. Gleichzeitig soll ihm Wut und Lust vergehen, sich irgendwie den Anstaltszwängen zu widersetzen, die ihm seine verbrieften Rechte nehmen. Auch hier ist unsere Angst der Verbündete der Gegenseite. Da man Angst nicht einfach abschalten kann, muss man Techniken entwickeln, ihrer Herr zu werden.

  • Vergewissere dich über deine Rechte und Möglichkeiten, sobald du im Knast angekommen bist.
    Frage nach den Möglichkeiten, Zeitungen zu abonnieren und Bücher zu bestellen.
    Häufig kann man dies nur an bestimmten Tagen in der Woche.
    Es ist ärgerlich, aus Nachlässigkeit acht Tage auf Hilfe Anderer angewiesen zu sein, die oft selbst nicht viel haben.
  • Vergewissere dich, wie du an einen Arzt kommst oder an eine warme Decke.
  • Wie du Diätkost oder Zusatznahrung bekommst.
    Sieh dir den Pfarrer oder Fürsorger an.
    Du brauchst sie ja nicht gleich in dein Herz zu schließen, aber es ist gut zu wissen, wie sie aussehen.