Die prozessuale Bedeutung der Aussageverweigerung

Dein Schweigen hat auch eine prozessuale Bedeutung. Nur die totale Aussageverweigerung darf bei einem Beschuldigten nicht zu seinem Nachteil gewertet werden. Sagst du nur ein Wort, so wird dies zu einem Beweismittel, das nach der Rechtssprechung der tatrichterlichen Beweiswürdigung unterliegt.

Beispiel:

Du wirst gefragt, wo du im August 1998 warst. Wenn du bisher weder auf diese noch auf eine andere Frage geantwortet hast, kann dein Schweigen nicht verwertet werden. Sagst du aber nur: "Am 17.August habe ich demonstriert" (vielleicht, weil man dir ein Foto vorhält, auf dem du zu sehen bist), so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass du an diesem oder jenem Ort warst und dieses oder jenes getan hast.

Solange du keinen Lotsen hast hilft dir nur konsequentes Schweigen!

Eine getätigte Aussage kannst du nicht mehr widerrufen. Man kann nur einer Aussage eine weitere hinzufügen, die vom Inhalt der Ersten abweicht. Das Gericht ist dann in seiner Wertung frei, welcher es Glauben schenkt. Meist werden die Beamten, welche die Aussage zustande gebracht haben, in der Verhandlung vernommen, und die werden ihr übriges tun, die geeignete Aussage dem Gericht mundgerecht zu machen.