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Anonym surfen – Einleitung

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Anonym surfen – das wünschen sich in Zeiten staatlicher Überwachung und gewerblicher Datenhändler viele politische Aktivisten. Aber Anonymität im Weltnetz zu wahren ist komplizierter als man denkt. Sobald du deinen Computer mit dem Weltnetz verbindest, bist du identifizierbar. Von privaten und kommerziellen Datensammlern – aber auch von staatlichen Stellen. Anfang 2008 trat die Vorratsdatenspeicherung in Kraft. Seitdem wurde sechs Monate lang gespeichert, wann du mit wem telefonierst und wann du wo und wem eine SMS gesendet hast. Seit 2009 wurde nun auch ein halbes Jahr lang gespeichert, wann du wo und wie das Weltnetz genutzt hast. Im März kippte das Bundesverfassungsgericht die Massen-Speicherung zwar – allerdings nur vorerst. Eine “neue”, dann verfassungskonforme Vorratsdatenspeicherung ist schon in Vorbereitung.

Wenn du dich im Weltnetz anonym – oder zumindest weitgehend anonym – bewegen möchtest, musst du wissen, welche Spuren du dabei hinterlässt. Erst dann kannst du dich daran machen, deine Schritte zu verschleiern. Wir zeigen dir, wie es geht.

Beginnen wir mit der Frage, welche Spuren du im Weltnetz hinterlässt, und wie du dadurch identifiziert werden kannst.

Spur 1 im Weltnetz: die IP-Adresse

Du tippst einen Seitennamen in deinen Netzbetrachter ein und sofort erscheint die Seite? Kein Wunder, denn genau dafür gibt es die IP-Adresse. Jeder Computer im weltweiten Netz hat eine solche Adresse, quasi eine einzigartige Hausnummer. Das muss auch so sein, denn das Weltnetz ist nichts anderes als ein Verbund von Millionen Rechnern. Wenn in diesem Netz Informationen verschickt werden, benötigen diese eine “Anschrift”, wohin sie gehen sollen – eben die IP-Adresse deines Computers.

Mit dieser Adresse, die zum jeweiligen Zeitpunkt kein anderer Weltnetznutzer in der ganzen Welt hat, bist du problemlos – zum Beispiel von Ermittlungsbehörden – identifizierbar. Genauso einfach lässt sich dann auch herausfinden, über welchen Host du surfst, also wie der Server des Internetanbieters heißt, über den du gerade im Weltnetz bist.

IP-Adressen sind nach einem ganz bestimmten Schema aufgebaut. Sie bestehen grundsätzlich aus vier Dezimalzahlen, die mit Punkten getrennt sind. Damit kann es rein rechnerisch 4,3 Milliarden verschiedene Adressen dieser Art geben.

Bleibt die Frage, warum du keine Zahlenkolonnen eingeben musst, wenn du eine bestimmte Weltnetzseite besuchen willst. Des Rätsels Lösung sind so genannte Domain Name Server (DNS). Diese ordnen die Zahlenkolonnen den festen IP-Adressen (wie sie zum Beispiel Webseiten haben) zu. DNS arbeiten quasi als Übersetzer – und erleichtern so das Surfen im Weltnetz enorm.

Feste IP-Adresse, dynamische IP-Adresse

Die Zahl der IP-Adressen im Weltnetz ist begrenzt. Deshalb haben Provider wie etwa T-Online einen großen Pool solcher Adressen. Wenn du ins Weltnetz gehst, weist dir dein Provider eine gerade freie IP-Adresse aus diesem Pool für den Zeitraum deiner Sitzung zu. Das nennt man eine dynamische IP-Adresse.

Etwas anderes liegt der Fall, wenn du selbst einen Server betreibst oder über eine größere Firma ins Weltnetz gehst. Diese verfügen häufig über eine feste IP-Adresse.

Jedes Mal, wenn du während deiner Weltnetzsitzung aktiv wirst, ob du nun eine Seite besuchst, Dateien auf deinen Rechner herunterlädst, Filme ansiehst oder Musik anhörst, wird deine IP-Adresse unsichtbar an dein “Gegenüber” versendet, also an den Rechner, mit dem dein Computer gerade kommuniziert. So weiß dieser, wohin er seine Daten schicken muss, damit sie auch ankommen.

Schon die IP-Adresse, die dir zugeteilt ist, verrät eine Menge über dich. So lässt sich recht genau zurückverfolgen, an welchem Punkt in der Welt du dich eingewählt hast. Gehst du nun über eine feste IP-Adresse ins Netz, etwa über ein Firmennetzwerk, lässt sich dein Standpunkt durch eine Rückverfolgung (den so genannten Traceroute) auf wenige Meter genau feststellen. Bei einer dynamischen IP-Adresse wird das schon schwieriger. Endgültig identifizierbar wirst du dann allerdings in Verbindung mit deinen Verbindungsdaten.

Spur 2 im Weltnetz: Deine Verbindungsdaten

Wenn du dich ins Weltnetz einwählst, speichert dein Diensteanbieter die Verbindungsdaten von dir. Dazu gehört die IP-Adresse, die dir zugewiesen wurde, Beginn und Ende der Verbindung mit Datum und Uhrzeit, und, sofern dies zur Abrechnung nötig ist, die Menge der übertragenen Daten. Im Rahmen der Vorratsspeicherung werden deine Verbindungsdaten sechs Monate lang bei den Diensteanbietern gespeichert um sie im Falle von Ermittlungen den Behörden zur Verfügung stellen zu können.

Spur 3 im Weltnetz: Bestandsdaten

Um im Weltnetz surfen zu können, benötigst du – wie schon oben dargestellt – einen Anbieter, der dir den Zugang zum Web zur Verfügung stellt. Egal, ob du diesen Zugang nun über Modem, ISDN oder DSL herstellst, musst du dich bei deinem “Internet Service Provider” (ISP) anmelden. Die dafür nötigen Daten heißen Bestandsdaten und werden natürlich auch gespeichert.

Zu den Bestandsdaten gehören Namen und Anschrift, Rechnungsadresse und weitere Kontaktdaten (Telefon, Fax, eBriefadresse). Diese Daten müssen, so will es das Telemediengesetz (TMG), “für Zwecke der Strafverfolgung, zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, des Bundesnachrichtendienstes oder des Militärischen Abschirmdienstes” von Diensteanbietern herausgegeben werden.

Spur 4 im Weltnetz: Server-Protokolle

Nicht nur dein “Internet Service Provider” zeichnet auf, wann du mit welcher IP-Adresse online bist. Auch dein jeweiliger “Gegenüber” protokolliert deine Besuche mit. Wenn du eine Weltnetzseite besuchst, greifst du auf einen Server zu, also einen Rechner, auf dem die jeweiligen Seiten (oder von dir abgerufenen Dokumente, Filme, Bilder etc.) liegen. Diese Zugriffe werden automatisch in Logfiles (Protokollen) aufgezeichnet.

Zu den gespeicherten Daten zählen unter anderem die IP-Adresse des Besuchers, der Zeitpunkt, in vielen Fällen auch Daten wie das Herkunftsland des Besuchers, sein Betriebssystem, die Sprache seines Netzbetrachters und vieles andere wie beispielsweise der Referrer. Darunter versteht man die Weltnetzseite, von der du gerade gekommen bist. Was mit all diesen Daten geschieht, kannst du als Besucher nicht wissen.

Wenn du wissen möchtest welche Daten dein Netzbetrachter bei jedem Netzseitenbesuch hinterlässt kannst du es hier einmal testen: www.s-f-n.org/ip

Die Kombination von IP-Adresse und Speicherung von Bestands- und Verbindungsdaten ist – zumindest für den Erhalt von Anonymität und Privatsphäre im Weltnetz – verhängnisvoll. Dein Diensteanbieter speichert deinen Namen und deine Adresse, er zeichnet auf, wann und wie du ins Weltnetz gehst, samt deiner jeweiligen individuellen IP-Adresse. Gleichzeitig teilst du beim Surfen der “anderen Seite” ständig mit, welche IP-Adresse du hast, und kannst so relativ genau lokalisiert werden. Und auch diese Daten werden gespeichert – wobei du keinen Einfluss darauf hast, wie sie letztlich genutzt werden.

Wir haben gesehen, dass du im Weltnetz verschiedene Spuren hinterlässt. Diese können nun zusammengeführt werden und so zu deiner Identifizierung verwendet werden. Diese Zusammenführung ist auf verschiedene Weise möglich:

  • Ermittlungsbehörden: Die Kombination von IP-Adresse und Verbindungsdaten ist für eine gewisse Zeit bei deinem Diensteanbieter gespeichert. In dieser Zeit können Ermittlungsbehörden die Daten abfragen und damit überprüfen, ob du womöglich eine Straftat im Weltnetz begangen hast. Die Vorratsdatenspeicherung läuft seit Januar 2009 in Deutschland. Damit werden die Verbindungsdaten sechs Monate lang gespeichert.
  • Private Dritte: Private Dritte, zum Beispiel auch Unternehmen aus der Film- und Musikindustrie, können über einen Umweg an Daten kommen, um dich zu identifizieren. Sie müssen einfach nur Strafanzeige bei einer Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt erstatten. Wenn die Fahnder dann ermitteln und beim Provider deine Identität ermitteln, müssen die Unternehmen nur noch über ihren Anwalt um Akteneinsicht bitten – schon sind deine höchstpersönlichen Daten und deine Identität bekannt.
  • Musik Film und Softwareindustrie: Im Rahmen der EU-Gesetzgebung hat die deutsche Bundesregierung auch einen zivilrechtlichen Auskunftsanspruch gegenüber Providern eingeführt. Das betrifft vor allem das Tauschen illegal kopierter Musik, Software und Filme im Weltnetz (Filesharing). In diesem Fall können Firmen zur Durchsetzung von Schadensersatzforderungen einfach bei den Internetprovidern die Verkehrsdaten von Verdächtigen abfragen – ohne Umweg über die Staatsanwaltschaft. Damit bist du also auch von privaten Dritten relativ einfach identifizierbar.

IP-Adresse und Identität im Weltnetz verschleiern

Mit den nächsten Artikeln zeigen wir dir, wie du deine verräterische IP-Adresse so verschleiern kannst, so dass anonymes Surfen zumindest bedingt möglich wird:

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