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Leitfaden – Werbung im Weltnetz

Für vieles im Netz muss man nichts bezahlen. Zumindest kein Geld. Die meisten Seiten finanzieren sich über Werbung, ein stets wachsendes Milliardengeschäft. Doch was ist diese Werbung und wie kann man sich davor schützen?

Stecken hinter Dienstleistungen im Netz gewinnorientierte Firmen, die für die Inanspruchnahme der Dienstleistung kein Geld fordern, so basiert deren Finanzierungsmodell häufig auf Werbung. Die Binsenweisheit besagt: „Wenn du für etwas nicht zahlst dann bist du das Produkt und nicht der Kunde“. Beispiele sind Medienportale, bei denen Artikel ‚kostenlos‘ zu lesen sind oder Videoportale, bei denen für die Betrachtung der Videos kein Geld gezahlt werden muss.

von Hombre

So wie es Werbung im Radio und Fernsehen gibt, hat es auch im Netz Einzug gehalten. Es ist ein Milliardengeschäft. Dabei kann es sich im Banner, Popups oder andere Elemente einer Seite handeln, ebenso wie Video- oder Tonspuren. Es werden Produkte oder Dienstleistungen beworben, die im besten Falle inhaltlich zur Seite passen, beispielsweise auf einem Technik-Portal Werbung für entsprechende Technik-Komponenten. Sieht ein Nutzer diese Werbung (pay-per-impression) ist es gut für den Seitenbetreiber, klickt er auf die Werbung (pay-per-click) noch besser und kauft er durch diese Werbung ein Produkt oder registriert sich (pay-per-action), dann ist es am Besten. Je zielgerichteter die Werbung ist, desto wertvoller. Sucht der Seitennutzer nach Zahnpasta ist Werbung nach Zahnärzten und Zahnpflegeprodukten dahingehend sinnvoll, dass der Nutzer am ehesten solche Werbungen anschaut. Daher ist das tracking, also das Verfolgen des Nutzerverhaltens, von großen Interesse für Werbetreibende.

Anmerkung: Für Produktplatzierungen wie es bei den ‚Influencern‘ üblich ist, die ganz besondere Cremes in ihren Videos anhimmeln, wird in diesem Artikel abgesehen. Ebenso Werbung via e-Post ist nicht Inhalt des Artikels.

Technologie

Werbung kommt häufig mit Cookies, um das Nutzerverhalten besser zu verfolgen. Des weiteren kann die IP genutzt werden, um einen groben Ort des Seitennutzers zu bestimmen. Handelt es sich um Smartphone Nutzer kann über GPS die exakte Position bzw. naheliegende Funktürme/Router zur Bestimmung der Bewegungsmuster genutzt. Stimme und Bilder können im Schlimmsten Falle ebenfalls genutzt werden. Somit ist exakt Zielgerichtete Werbung möglich. Man unterhält sich mit seinem Bekannten, dass man Hunger hat und sofort kann die Werbung von der naheliegendsten Fressbude angezeigt werden. Alles abhängig von den vorgenommenen Einstellungen und Einwilligungen.

Die einfachste Form der Werbung sind statische Bilder mit Referenzen die bei jedem Anwender gleich aussehen. Da jedoch auf den Anwender zielgerichtete Werbung rentabler ist, erfolgt die Einbindung meist über Javascript/iframe, weil so dynamisch Elemente von den Werbeservern geladen werden können. Diese Werbeserver liefern zumeist Cookies gleich mit aus, sogenannte 3rd-Party-Cookies welche dank des Firefox‘ zunehmend blockiert werden. Verwenden beispielsweise 5 verschiedene Netzseiten den gleichen Werbeanbieter über Javascript, so kann dieser Werbeanbieter nachverfolgen, ob, wann und wie der Seitennutzer die anderen Portale genutzt hat. Das Laden der Werbung über Javascript hat auch den Vorteil (aus Sicht der Werbetreibenden), dass erst die Seite geladen wird und anschließend die Werbung. Somit bleibt die Zeit bis der eigentliche Inhalt angezeigt wird gering, weil Werbung anschließend im Hintergrund nachgeladen wird. Das führt aber dazu, dass der Seitenbetreiber Inhalte nachlädt, die er selbst gar nicht kennt, nämlich die Javascript-Codes der Werbeplattformen. Das führt zu Sicherheitsrisiken.

Eine exemplarische Seite von Spiegel Online lädt 480 Elemente (mit Werbung), also Bilder, Dateien, Texte, usw. aus dem Netz. Ohne Werbung werden 124 Elemente geladen (knapp 50 Elemente wurden blockiert). Die Werbung lädt dabei periodisch Elemente nach. Die über dreihundert (!) extra Dateien für Werbung und Nutzerverfolgung sollen ein Indikator über die Komplexität sein. Mit Komplexität kommt auch immer die Gefahr der Sicherheitslücke.

Der Markt der Werbeplattform ist leider hauptsächlich unter wenigen Giganten aus den USA aufgeteilt, ähnlich wie die meist genutzten Seiten und widerspricht der ursprünglichen Idee des Netzes:

Unternehmen % – 2018 % – 2019
Google 38,2 37,2
Facebook 21,8 22,3
Amazon 6,8 8,8
Microsoft 4,1 3,8
Verizon 3,4 2,9

Tabelle 1: Marktanteil der größten Netz-Werbeplattformen

Amazon hat im Hintergrund ein Milliardengeschäft durch Werbung aufgebaut, welches starken Wachstum zeigt. Durch Amazons Datenbasis der gesamten Produkte und wer welche Produkte in Kombination kauft ist eine sehr zielgerichtete Werbung möglich.

Google weiß wohl mehr über seine Nutzer als jeder andere. Nachfolgende Auflistung zeigt einige Dienste und wie die Daten verwendet werden könnten, immer Anhängig vom Verhalten der Nutzer.

  • Suchmaschine: Was kümmert den Nutzer, welche Interessen hat er?
  • Google Maps: Wo befindet sich der Nutzer, wen kennt er, wo geht/fährt/fliegt er hin?
  • Youtube: Welche Multimedialen Interessen hat der Nutzer?
  • Gmail: Mit wem schreibt der Nutzer was? Sind dort Schlagwörter enthalten?
  • Android: Quasi alles …
  • DNS Server: Welche Seite werden wie häufig abgefragt?
  • PlayStore: Wie viel Geld gibt der Nutzer für was aus? Bei welcher Bank ist er?
  • Chrome: Welche Seiten ruft der Nutzer auf?

Wem das nicht genügt, der lese den Artikel zur Google-Software.

Facebook weiß durch das aufmerksamkeitsgetriebene Verhalten der Anwender ähnlich viel. Man betrachte allein die notwendigen Berechtigungen auf dem Telefon.

Schaubild 1: Berechtigungen für Facebook (Android)

Wie immer hängt auch bei der Werbung vieles vom Nutzerverhalten ab.

Blockieren von Werbung

Wie kann sich vor Werbung schützen? Zu aller erst gilt es möglichst wenig Spuren im Netz zu hinterlassen, dafür sei an den folgenden Leitfaden erinnert. Ebenso sollten die Produkte der Netzgiganten gemieden werden, es gibt genug Alternativen des Netzbetrachters und des Betriebssystems (Rechner/Telefon).

Auf der technischen Seite kann man das Einbinden der Werbedateien unterdrücken. Dabei gibt es keinen goldenen Weg, jeder muss für sich und sein Anwendungsverhalten einen Weg finden. Nachfolgend werden einige Möglichkeiten vorgestellt.

Ziel ist das Nichtladen (Blockieren) einzelner Dateien, die zur Werbung verwendet werden. Um das zu erreichen werden an verschiedene Stellen die Adressen der zu blockierenden Dateien auf eine schwarze Liste (Blacklist) gesetzt. Schaubild 2 veranschaulicht verschiedene Nutzungsszenarien und an welchen Stellen dann das Laden der Elemente unterbunden werden kann.

Schaubild 2: Stellen um das Laden von Werbedatein zu blockieren

Im Folgenden wird häufig der Begriff „Werbeblockierer“ verwendet. Der Begriff ist missverständlich, da nicht (nur) Werbung blockiert werden soll, sondern tracking und Schadsoftware im Allgemeinen. Der Einfachheit halber wird jedoch weiter „Werbeblockierer“ o. Ä. verwendet. Die Werbung an sich ist aber das geringste Übel.

Am Netzbetrachter blockieren

Die Netzbetracher (Browser) waren vor den Telefonen die häufigste Art das Internet zu genießen. Heutzutage hat jede Anwendung auf dem Telefon Zugang zum Netz. Werbeblockierer (Adblocker) im Netzbetrachter sind Zusatzprogramme (Add-ons), die manuell hinzugefügt werden müssen. Sie haben Zugriff auf die derzeit betrachtete Netzseite und blockieren die Werbeelemente auf Grundlage von vorkonfigurierten Listen, die sie mitbringen.

Es gibt verschiedene Anbieter solcher Werbeblockierer. Früher war „Adblock Plus“ der unangefochtene Blockierer. Auf dieses Programm sollte jedoch unbedingt verzichtet werden. Der Hersteller Eyeo GmbH entschied sich jedoch gegen Geld (bis zu einigen Millionen) einige Werbungen zuzulassen, die anschließend den charmanten Namen „Acceptable Ads“ bekamen. Dies zeigt, das monetäre Interessen im Vordergrund stehen und weniger der Schutz.

Dieses Verhalten löste eine große Kontroverse aus. Nach einigem hin- und her hat sich heutzutage uBlock Origin durchgesetzt, welches verwendet werden sollte. Das Zusatzprogramm ist vergleichsweise schnell und funktioniert für verschiedene Netzbetrachter (Safari, Chrome, Microsoft Edge, Firefox, Opera, Chromium, …) auf verschiedenen Betriebssystemen. uBlock Origin wurde in die Ubuntu Paketquellen hinzugefügt und von Mozilla als eines der wenigen „besonders empfohlenen Erweiterung“ für den Firefox deklariert. Ferner ist der Kode quelloffen. Interessanterweise verweigert der Hersteller jede Spende für die Erweiterung u. A. um seine Unabhängigkeit zu wahren. Das in Summe ist ein guter Indikator für uBlock Origin.

Die zu blockierenden Seiten werden dabei selbst aktualisiert und es können leicht Ausnahmen hinzugefügt werden bzw. die gesamte Anwendung für einzelne Seiten deaktiviert werden. Die Installation geht direkt vom Netzbetrachter aus, einfach eine Suchmaschine um „uBlock Origin Firefox“ bemühen.

Es muss erwähnt werden, dass diese Erweiterungen auf den Seiteninhalt zugreifen können (siehe Schaubild 3), was ein riesiges Sicherheitsrisiko ist. Es muss sich also vergewissert werden, dass dieses Zusatzprogramm keine Inhalte zweckentfremdet. Technisch wäre dies möglich. Dadurch, dass der Kode jedoch offen ist kann sichergestellt werden, dass solches Verhalten nicht programmiert wurde (dazu muss das installierte Programm auch diesem Programmkode entsprungen ist). Es sollte also periodisch geprüft werden, ob sich der Besitzer des Programms ändert oder neue Richtlinien entstanden sind. Diese Seite hält euch darüber auf dem Laufenden.

Schaubild 3: Notwendige Berechtigung für uBlock Origin im
Firefox
uBlock Origin darf in keinem Falle mit uBlock verwechselt werden!

Vor- und Nachteile

  • Effektivste Art Werbung zu blockieren
  • Einfach Ausnahmen hinzuzufügen
  • Deaktivierbar für spezifische Seiten
  • Selbst aktualisierend
  • Ressourcenschonend
  • Funktioniert auch für Videowerbung
  • Einfach zu verstehende Oberfläche
  • Gute Visualisierung der blockierten Elemente
  • Quelloffen
  • Zusatzprogramm dass Zugriff auf Seiteninhalte hat
  • Funktioniert nur für Netzbetrachter und nicht für alle Anwendungen
Tabelle 3: Vor- und Nachteile des Blockierens am Netzbetrachter

Zusammenfassung

Ich persönlich nutze insbesondere uBlock Origin seit Jahren und möchte es nicht missen. Auf dem mobilen Telefon habe ich den Firefox als Netzbetrachter und nutze die Erweiterung auch dort. Sofern man das Netz über Netzbetrachter verwendet, lohnt sich die Installation. Nutzt man nur die Facebook Anwendung auf dem Mobiltelefon nützt die Erweiterung nichts. Sie muss für jedes Gerät und für jeden Netzbetrachter separat hinzugefügt werden. Für weitere Einstellungen und Ratschläge zum Thema Netzbetrachter sind auf diesem Portal einige Artikel empfohlen. Eine weitere triviale Lösung ist JavaScript zu deaktivieren, allerdings funktionieren dann viele Seiten nicht (mehr korrekt).

Am Rechner blockieren

Anstatt Elemente erst im Browser zu blockieren, können sie schon betriebssystemseitig blockiert werden. Dann sind alle Anwendungen auf diesem Rechner vor den Elementen geschützt. Dabei wird die Funktionalität des lokalen DNS manipuliert, mehr dazu im Kapitel Am DNS blockieren. Da Rechner in den heutigen Tagen hauptsächlich auf die Verwendung des Netzbetrachters und etwas Schreibkram reduziert wurden, soll an dieser Stelle nicht näher darauf eingegangen werden.

Vor- und Nachteile

  • Keinen Zugriff auf Seiteninhalte
  • Betriebssystemseitige Blockierung der Elemente
  • Leichtgewichtige Programme
  • Nützlich, wenn Rechner als Server eines Netzes läuft
  • Externe Programme können Schadkode enthalten
  • Vergleichsweise kompliziert zu installieren
  • Installation unterscheidet sich zwischen den Betriebssystemen
  • Für ‚normale‘ Heimrechner wenig/kein Mehrwert gegenüber Kapitel 1
Tabelle 4: Vor- und Nachteile des Blockierens am Rechner

Zusammenfassung

Diese Methodik ist für den normalen Anwender sicherlich übertrieben. Die Filterung auf DNS Ebene ist weit weniger mächtig als die der Filterlisten in den Erweiterungen der Netzbetrachter. Der Konfigurationsaufwand ist höher. Lohnenswert ist ein Einsatz bei größeren Netzwerktopologien. Programme wie AdGuard oder PiHole können dabei schön visualisieren welche Domains aufgerufen und blockiert wurden. Das gibt häufig Überraschungen.

Schaubild 4: Beispielanalyse von AdGuard

Am Telefon blockieren

Das Telefon ist in den heutigen Tagen das häufigste Mittel, das Netz zu erreichen. Werbung dort ist besonders teuer und damit wichtig. Im Jahr 2019 wurden 93% des Werbeumsatzes von Facebook (14,9 Milliarden Dollar) im mobilen Segment erzielt. Die Gründe dafür sind unter Anderem, dass Nutzer ihr gesamtes Leben im Telefon speichern, von Bildern und Sprachnachrichten bis zu Bewegungsprofilen. Das Telefon ist immer dabei und immer eingeschalten. Was will man mehr um etwas über den Nutzer herauszufinden? Ferner ist durch die Architektur der Betriebssysteme der Telefone ein Blockieren der Werbung weitaus schwieriger als am Rechner. Während man bei seinem Rechner vollen Zugriff hat, ist es bei den Telefonen nicht so einfach.

Für Netzbetrachter am Telefon gilt: Verzichtet auf den mobilen Google Chrome. Er unterscheidet sich von dem Rechner Pendant. Zum einen sind Teile des Browsers nicht quelloffen (insbesondere die ‚Google service features‘ können datentechnisch gefährlich sein) zum anderen macht er die datenschutzorientierten Einstellungen nicht gerade einfach. Daher ganz klar der Ratschlag: nutzt Firefox. Dort sind standardmäßig viele Sachen voreingestellt, die das tracking erschweren. Zusätzlich kann dort die Erweiterung uBlock Origin installiert werden (siehe Kapitel Am Netzbetrachter blockieren). Weitere Erweiterungen, z. B. dass Youtube-Videos im Hintergrund laufen sind ebenfalls erhältlich. Warum der Firefox anderen Netzbetrachtern zu bevorzugen ist, ist in hier beschrieben.

Allerdings wird das Netz auf den Telefonen mehr durch dedizierte Anwendungen konsumiert (YouTube-App, etc.). Jede dieser Anwendung kann Werbung einblenden und Daten sammeln. Das Blockieren dieser Elemente wurde von Google in den letzten Jahren wesentlich erschwert. Wen wundert es bei den Milliarden. Die im Nachgang empfohlenen Anwendungen finden sich nicht im Google PlayStore da sie die Nutzungsvereinbarungen verstoßen.

Wer root-Zugriff auf sein Telefon hat, dem sei die quelloffene Anwendung „AdAway“ empfohlen. Diese funktioniert über Blockieren von DNS Einträgen wie im vorherigen Kapitel Am Rechner blockieren vorgestellt. Dafür benötigt man seit Android KitKat root-Zugriff.
Installationsanleitungen finden sich im Netz.

Wer keinen root-Zugriff hat, muss etwas tricksen. Das Blockieren erfolgt dann über ein lokales VPN. Die zu installierende Anwendung spielt ein VPN vor, dass nur auf dem Telefon existiert. Dieses VPN enthält dann Listen der zu blockierenden Elemente. Das hat zum Nachteil, dass dann am Telefon kein anderes VPN konfiguriert werden kann (wohl aber am Router).

Schaubild 5: Impressionen von DNS66

Als kostenpflichtiges Programm wird häufig AdGuard empfohlen, dass für iOS, Android, Windows und andere Systeme funktioniert. Der Preis ist dabei für drei Geräte ca. 2€ pro Monat (~4,5€ für 9 Geräte) oder 65€ einmalig für
immer (140€ für 9 Geräte). Die Oberfläche ich schick, die Installation einfach.

Als quelloffene Anwendungen existieren „Block This“ und „DNS66“, wobei letztere mehr gepflegt scheint und im Folgenden betrachtet wird. Die Installationsanweisungen sind auch hier im Netz zu finden. Im Google PlayStore wurden diese Anwendungen entfernt, da Google um sein Geschäftsmodell fürchtet. Alternativ kann die Anwendung via F-Droid installiert werden.

Wenn DNS66 installiert ist (Schaubild 5), können die Blacklists eingesehen/verändert werden (hervorgehobener Abschnitt Schaubild 5).
Diese Listen können selbstständig aktualisiert werden, sodass nicht erst neue Versionen installiert werden müssen. Bei Apps können Anwendungen eingestellt werden, für die nichts blockiert werden soll. Bei DNS kann ein optionaler DNS-Server konfiguriert werden. Diese Registerkarte enthält einige Vorschläge, unter anderem des Chaos Computer Clubs oder digitalcourage die Zensur im Netz umgehen wollen. Diese Einstellung ist – wie erwähnt – optional, es muss
jeder wissen, ob deren Dienste verwendet werden sollen.

Anmerkung: Auch wenn Schaubild 5 die Englische Version zeigt, gibt es diese Anwendung auch auf Deutsch.

Vor- und Nachteile

  • Schützt das wohl anfälligste Gerät
  • Umgeht in Teilen Googles harsche Versuche aus jedem Nutzer Daten herauszuholen
  • Funktioniert für das gesamte Telefon
  • Kann für einzelne Anwendungen deaktiviert werden
  • Spart Unmengen an Daten (und damit Akku), weil nicht jedes Element (Videos, Bilder, …) geladen wird
  • Quelloffen
  • Externe Programme können Schadkode enthalten
  • Nicht triviale Installation
  • Keine Möglichkeit ein weiteres VPN auf dem Telefon zu konfigurieren
  • Einige Anwendungen könnten möglicherweise nicht korrekt funktionieren (durch VPN Verbindung)
Tabelle 5: Vor- und Nachteile des Blockierens am Telefon (DNS66)

Zusammenfassung

Das Telefon begleitet uns täglich und dessen Datenabfluss müsste mehr Beachtung finden. Unfraglich gilt der Firefox als vergleichsweise datenarme Alternative und sollte gewählt werden. Werbung bei anderen Anwendungen kann in besten Falle verhindert werden, wenn sie gar nicht verwendet werden oder eine werbefreie Bezahlversion gewählt wird. Je nach Anwendungsverhalten ist die Installation zusätzlicher Blockierer zwar nicht trivial, aber lohnend. Es kann mobile Daten sparen, die Privatsphäre schützen und den Akku länger leben lassen.

Am Router blockieren

Router haben eine intrigierte Brandschutzmauer (Firewall), die den Zugriff für eingehende Verbindungen grundsätzlich blockiert. Das Ziel ist diese Firewall zu nutzen um ausgehende Verbindungen zu blockieren, nämlich die zu den Werbedateien.

Wie man an die Stelle kommt, um die Adressen zu konfigurieren unterscheidet sich je nach Router. Für die Fritz!Box gibt es zahlreiche Anleitungen im Netz. Es stellt sich jedoch die Frage welche Adressen blockiert werden sollen. Dafür gibt es mehr oder weniger gepflegte Seiten im Netz (1, 2, 3).

Schaubild 6 zeigt exemplarische Einstellungen. Beachtet werden muss, dass je nach Router nur einige hundert Adressen angegeben werden können. Einer der größten Nachteile ist, dass diese Liste händisch gepflegt werden muss. Natürlich lässt sich auch das automatisieren, jedoch nur mit viel Aufwand und Router spezifisch. Falls neue Adresse in der Werbewelt hinzukommen, so müssen diese händisch gepflegt werden. Ausnahmen, falls Werbung auf einigen spezifischen Seiten angezeigt werden soll, weil sie sonst nicht richtig funktionieren, gibt es nicht. Facebook beispielsweise nutzt in Teilen die gleichen Server für Daten und Werbung, sodass beim Blockieren die Anwendung brechen kann.

Schaubild 6: Exemplarische Blacklist in der Fritz!Box

Vor- und Nachteile

  • Schützt alle Geräte im Netzwerk vor Werbung (z. B. Fernseher, wenn diese Netzverbindung haben)
  • Eine zentrale Stelle, an der alles definiert ist
  • Sehr sichere Variante, da keine fremde Software genutzt werden muss
  • Möglichkeit zuhause für verriegelte Telefone Werbung zu blockieren
  • Umständlich einzustellen, da von Router zu Router verschieden
  • Begrenzte Anzahl von Einträgen
  • Schwierig ‚Ausnahmen‘ hinzuzufügen
  • Umständlich zu aktualisieren
  • Funktioniert nur im eigenen Netz
Tabelle 6: Vor- und Nachteile des Blockierens am Router

Zusammenfassung

Diese Methodik kann sicherlich nur als Zusatz und „Grundschutz“ verwendet werden. Je nach dem wie die Blacklist gefüllt ist, können einige Seiten nicht richtig funktionieren. Der Anwender muss entscheiden, ob es gerechtfertigt ist, den Schutz für eine Seite zu opfern.

Am DNS blockieren

DNS steht für Domain Name System und ist ein Dienst zum Auflösen von Namen. Vorstellen kann man sich das wie ein Telefonbuch. Man sucht nach dem Namen s-f-n.org (die Domain) und findet dann die Nummer 146.0.76.89 (die IP). Mit dieser Nummer kann man dann eine Seite aufrufen. Dies wurde eingeführt, weil sich Namen leichter lassen, als Nummernfolgen.

Es existieren Server, deren Aufgabe es ist, solche IPs nachzuschlagen. Natürlich ist auch Google mit dabei. Immer wenn Adressen aufgelöst werden sollen, wird dieser Server nach den maschinell verwertbaren IPs gefragt. Dies führt dazu, dass diese Server/Anbieter wissen, welche Domains von Interesse sind. Auch können dort missliebige Domains gesperrt werden. Ursula von der Leyen (Zensursula) hatte dazu 2010 ein Gesetzt (Zugangserschwerungsgestzt) auf den Weg gebracht, das so weit weg von der technischen Realität war, dass es 2011 wieder aufgehoben wurde.

Dieser DNS-Server kann am Gerät (Rechner, Telefon) oder aber am Router eingestellt werden. Auch die Verschlüsselung solcher DNS Anfragen ist von Interesse (Stichworte DNS-over-TLS und DNS-over-HTTPS). Es gibt verschiedene Vereine, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Netz als Ort zur freien Meinungsäußerung zu bewahren und Zensur zu verhindern. Wie dies Server lokal eingestellt werden, kann hier gefunden werden, es handelt sich dabei um wenige Minuten Aufwand. Ich persönlich rate von Verwendung der Google-Server ab, sie sollten nur verwendet werden, wenn alle anderen versagen (an letzter Stelle in der Liste). Alternativserver sind bei Wikileaks zu finden

Nun gibt es einige Anbieter solcher DNS-Server, die nach eigenen Angaben Werbung blockieren. Solche Dienste können auch als Kinderschutz verwendet werden, die beispielsweise Erotik-Inhalte oder Gewalt-Inhalte blockieren.

Es werden alle Anfragen aufgelöst, außer diejenigen die Werbung beinhalten. Auch hier mischt der Anbieter AdGuard mit. Diese Dienste sollten aber mit Vorsicht genossen werden, da sie dem Anbieter ermöglichen, das Netzverhalten zu analysieren (wann wurden welche Seiten mit welcher Geschwindigkeit aufgerufen). Daher kann ich zur Güte dieser Methodik des Blockieren auch keine bewertende Aussage treffen. Es ist mir persönlich schlich zu riskant. Man hat leider keinen Einblick in deren Server. Der Wartungsaufwand dieser Server ist hoch, an die Erreichbarkeit werden hohe Anforderungen gestellt. Alles in allem keine triviale und keine kostengünstige Sache. Daher muss bei gewinnorientierten Firmen überlegt werden, wie sie diese Server gegenfinanzieren. Eine zusätzliche Auswertung der Anfragen (Werbung, tracking) liegt nahe.

Vor- und Nachteile

  • Muss nur einmal eingestellt werden, da die Aktualisierung der Hersteller übernimmt
  • Vergleichsweise einfache Einstellung
  • Kann am Router oder am Gerät eingestellt werden
  • Es ist unbekannt, wie der Anbieter diese Anfragen auswertet
  • Man legt sich quasi mit jeder Anfrage in fremde Hände
  • Keine Konfigurationsmöglichkeit
Tabelle 7: Vor- und Nachteile des Blockierens am DNS

Zusammenfassung

Jeder verwendet DNS-Server und man sollte überlegen, ob man den verwendeten Servers eines gewinnorientierten Unternehmens nicht gegen eine Alternative eines gemeinnützigen Vereins eintauscht. Nutzt man den DNS-Server als Blockierer so muss man kommerzielle Anbieter nutzen. Ist der Dienst kostenlos zahlt man wieder mit seinen Daten. Daher sollte auf diese Art des (‚kostenlosen‘) Blockierens verzichtet werden.

Schlusswort

Werbung ist das geringste Problem von allen. Um Werbung möglichst gut zu verkaufen, muss sie zielgerichtet sein, dadurch wird die Privatsphäre verletzt, die es zu schützen gilt. Daher müssen meiner Meinung nach Inhalte von Seiten oder Anwendungen blockiert werden oder man verzichtet auf diese Anwendungen generell. Das Blockieren mit zusätzlichen Anwendungen kann nie zu 100% funktionieren, entweder es wird zu wenig blockiert (und Daten fließen ab) oder es wird zu viel blockiert (und Anwendungen funktionieren nicht richtig). Wer völlig anonym das Netz verwendet, muss ich auch keine Sorgen über tracking machen, da er bei jeder neuen Nutzung eine neue Identität bekommt. Allerdings nutzen so nur die wenigsten das Netz und die Blockierer können als Regenschirm im Unwetter gesehen werden.
Für welche der vorgestellten Methodiken sich entschieden wird, muss jeder Anwender aufgrund seines eigenen Verhaltens bestimmen. Keine Technik aber kann leichtsinniges Verhalten kompensieren.

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