Seit dem 23. März 2026 ist es in Hongkong strafbar, der Polizei das Passwort für ein elektronisches Gerät vorzuenthalten. Das betrifft sämtliche Geräte – Smartphones, Laptops und ähnliche elektronische Speicherträger. Wer die Herausgabe des Passworts verweigert, riskiert eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr sowie eine Geldstrafe von HK$100.000; wer bei der Abfrage falsche Angaben macht, kann mit bis zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von HK$500.000 bestraft werden.
Diese Neuerung wurde vonseiten des US-Konsulats ausdrücklich in einer offiziellen Sicherheitshinweismeldung kommentiert – nicht von irgendeinem anonymen Social-Media-Konto, sondern von einer Regierungseinrichtung. Das belegt die Relevanz und Ernsthaftigkeit der Maßnahme im internationalen Kontext.
Besorgniserregend ist dabei vor allem der weitreichende Anwendungsbereich des Gesetzes: Es gilt nicht nur gegenüber tatverdächtigen Personen. Die Vorschrift kann gegenüber jedem angewendet werden, der potenziell Zugang zu oder Kenntnis von einem Passwort haben könnte. Dazu zählen nicht nur aktuelle Nutzer, sondern auch frühere Besitzer eines Geräts oder Personen, die einen Flughafen lediglich im Transit passieren, ohne tatsächlich in die Stadt einzureisen.
Ein praktisches Beispiel: Ihr befindet euch auf dem Rückflug aus Japan und habt einen Zwischenstopp am Hongkong International Airport. In eurer Tasche liegt eine Hardware Wallet mit Kryptowährungen. Durch die neue Regelung könntet ihr bereits in dieser Transit-Situation verpflichtet werden, die PIN eurer Wallet herauszugeben.
Das mag auf den ersten Blick weit entfernt erscheinen, doch Hongkong gehört zu den weltweit am stärksten frequentierten Luftverkehrsdrehscheiben; viele Reisende – Urlauber wie Geschäftsleute – passieren den Flughafen täglich. Damit ist das Thema potenziell für eine große Zahl von Menschen relevant.
Ähnliche Regelungen gibt es längst in anderen Ländern: Im Vereinigten Königreich trat Part III der Regulation of Investigatory Powers Act 2000 erst im Oktober 2007 in Kraft; seither kann die Verweigerung der Herausgabe von Passwörtern dort mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden, in Fällen von Terrorverdacht sogar mit bis zu fünf Jahren. Australien führte 2018 vergleichbare Bestimmungen ein. In den USA bietet zwar der fünfte Verfassungszusatz Schutz gegen Selbstbelastung, dennoch existiert an den Grenzen seit Jahren eine rechtliche Grauzone, in der Grenzbeamte wiederholt den Zugriff auf elektronische Geräte verlangen können.
Diese Entwicklung ist folglich nicht auf Hongkong beschränkt, sondern Teil eines globalen Trends hin zu strengeren Durchsetzungsbefugnissen gegen den Zugang zu verschlüsselten oder passwortgeschützten Informationen.
Zum konkreten Thema Bitcoin: Bei Hardware Wallets ist zwischen PIN und Seed Phrase zu unterscheiden. Die PIN entsperrt das physische Gerät; die Seed Phrase – bestehend aus 12 oder 24 Wörtern, ergänzt durch eine optionale Passphrase (manchmal als 25. Wort bezeichnet) – ist der eigentliche Schlüssel zum Zugriff auf die gespeicherten Kryptowährungen. Sowohl PIN als auch Seed Phrase können von Behörden eingefordert werden. In einer Stresssituation ist es schwierig, glaubhaft zu behaupten, man kenne die PIN eines Geräts, das man unmittelbar bei sich trägt.
Es existieren jedoch technische und praktikable Gegenmaßnahmen: Eine weit verbreitete und effektive Methode ist die Nutzung einer zusätzlichen Passphrase zur Seed Phrase. Diese optionale Passphrase erzeugt ein vollständig separates, verstecktes Wallet, das von dem sichtbaren Wallet getrennt ist. Gebt ihr lediglich den PIN preis, öffnet sich das Gerät und zeigt wahlweise ein leer wirkendes oder nur gering bestelltes “Decoy”-Wallet; die eigentlichen Bestände sind in einem durch die Passphrase geschützten, unsichtbaren Wallet verborgen. Auf diese Weise könnt ihr im Ernstfall zwar das Gerät selbst entsperfen, müsst aber nicht die Kontrolle über die eigentlichen Kryptowährungen preisgeben.
Daher die dringende Empfehlung an alle, die eine Hardware Wallet verwenden und bislang keine zusätzliche Passphrase eingerichtet haben: Nehmt diese Einrichtung jetzt vor. Nicht irgendwann, sondern unmittelbar. Auch wenn Gesetze das Recht, zu schweigen, in bestimmten Fällen einschränken, ermöglicht eine korrekt konfigurierte Wallet die Möglichkeit, kooperativ zu erscheinen, ohne sensible Zugangsinformationen zu enthüllen.


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